Nachrichten

Umweltausschuss besorgt über fehlende Notfallpläne für ein Reaktorunglück in Fessenheim

>>>weiter lesen

Ja, aber… Neuer Umweltminister äußert sich zur Fessenheim-Stilllegung

>>>weiter lesen

Frankreichs Versagen in Fessenheim

>>>weiter lesen

Video Clip Fessenheim


von brutto tempo

Informationen

Aktuelle bekannte Petitionen

Bookmark and Share

"Da lass’ ich nicht locker" Aktionsbündnis News
Veröffentlicht von Administrator (admin) am 09.11.2016
News >> Aktionsbündnis News


Lange ist er nicht mehr in Steinenstadt: Jean-Paul Lacôte
zieht bald zu seiner Lebensgefährtin nach Waldkirch.
Foto: Susanne Ehmann


Jean-Paul Lacôte gab seine kommunalpolitischen Ämter in Neuenburg auf – den Kampf für die Umwelt führt der Franzose aber weiter.

NEUENBURG AM RHEIN. Für den Umweltschutz wird er weiter kämpfen, so viel steht fest. Und für seine Gesundheit. Denn die ist der Grund dafür, dass Jean-Paul Lacôte nun kein Mitglied des Neuenburger Gemeinderats mehr ist und auch aus dem Ortschaftsrat Steinenstadt austreten musste. Der Franzose zählt zu den Urgesteinen der südbadischen Umweltbewegung.

Jean-Paul Lacôte ist ein politischer Mensch. Ein 68er, wie er sagt. Er hat immer kritisch, aber flexibel geschaut, was kommt. Auch, was seine Berufe angeht. Er arbeitete als Förster, bei einer Versicherung und als Schauspieler in Paris, zusammen mit Gérard Depardieu. Es waren einfach die Umstände, sagt er, die ihn von einer Aufgabe zur nächsten führten. Geboren wurde Jean-Paul Lacôte 1945 im französischen Roanne, an der Loire. Nach Deutschland kam er der Liebe wegen. In den 70er-Jahren war das, seine damalige Frau war Lehrerin in Kandern. Vor einigen Jahren starb sie an Krebs. Als er beschloss, nach Deutschland zu gehen, steckte seine Theatergruppe gerade in Schwierigkeiten und seine Tochter brauchte ihn. Er nennt sie sein "Lieblingskind", auch weil sie sein einziges Kind ist. Die Dreijährige mochte den Kindergarten nicht und so übernahm er die Erziehung. Sechs Jahre lang war er Hausmann, wohnte mit seiner Familie in Schliengen und dann in Steinenstadt und holte nebenher an einer Abendschule in Mulhouse sein Abitur nach.

Lacôte war bei der Gründung der Grünen mit dabei


Nach seinem Abschluss studierte er in Freiburg Volkswirtschaftslehre. Mit 40 war er fertig – und zu alt, um in der Wirtschaft und ohne Berufserfahrung noch einen Job zu bekommen. Also machte er etwas anderes, bis er an der Volkshochschule landete, an der er in Schliengen, Efringen-Kirchen und Kandern Französisch lehrte, zehn Jahre lang. Es folgten 16 Jahre beim Bund Regionalverband Südlicher Oberrhein, wo er der Geschäftsführung zur Hand ging – bis zur Rente mit 65.

Bis heute hat er ausschließlich die französische Staatsbürgerschaft. Einmal wollte er die doppelte Staatsbürgerschaft beantragen. Doch dafür hätte er damals die französische aufgeben müssen. "Das konnte ich nicht", sagt Lacôte.

In die Politik ging er in Ende der 70er-Jahre. "Damals wurden die Grünen gegründet, ich war dabei." Drei Jahre lang war Lacôte Kassierer im Kreisverband Breisgau-Hochschwarzwald. Als Franzose durfte er damals nicht wählen oder gewählt werden. Eine Ungerechtigkeit, fand er und zog mit einer Petition vor das Landgericht Stuttgart, forderte das Wahlrecht für alle Ausländer. Es half nichts. Aber ein paar Jahre später wurde auf EG-Ebene geregelt, dass Menschen mit der Staatsangehörigkeit eines Mitgliedstaates der Europäischen Gemeinschaft in Kreisen und Gemeinden wählen dürfen.

Lacôte war mittlerweile aus Zeitgründen bei den Grünen ausgetreten. Aber es kam die Zeit, da er in seinem Heimatort auf kommunaler Ebene mitreden wollte. Jedoch fehlte der Grünen-Ortsverband damals – also klopfte er bei der SPD an. Um gewählt werden zu können, musste er Mitglied sein – also wurde er Mitglied. Aber nicht nur die Kommunalpolitik war Lacôte wichtig – besonders Umwelt- und Naturschutz waren es, die Jean-Paul Lacôte immer beschäftigten. Er ist im Vorstand des Umweltschutzverbands Alsace Nature Région. Jahre zuvor, 1984, besetzte er ein Jahr lang mit anderen französischen Umweltschützern die Rheininsel bei Fessenheim, um gegen die Verpressung von Salzlösungen in tiefere Schichten zu demonstrieren. "Das war eine gute Erfahrung", sagt Lacôte, "die Polizei hat sich nicht getraut, einzugreifen." Die Erfahrung hat ihm gezeigt, dass man etwas bewirken kann. Und so kämpfte er weiter. Gegen den Bau einer Flachglasfabrik im elsässischen Hombourg, gegen den Anbau von Genmais auf einem Acker in Buggingen 1995 und gegen das Atomkraftwerk Fessenheim. Lacôte ist Mitglied in der lokalen Kontrollkommission des Atomkraftwerks und Vizepräsident der nationalen Dachorganisation der Kontrollkommissionen aller Atomkraftwerke Frankreichs. "Der französische Staat will sich in Atomfragen nicht in die Karten schauen lassen", sagt Lacôte. "Wir aber wollen informieren und überwachen." Und dann waren da natürlich seine Aufgaben im Ortschaftsrat. Umwelt und Natur fangen da an, wo du lebst, sagt Lacôte. Er wollte etwas tun für Steinenstadt. Also bewarb er sich als Ortschaftsrat und wurde gewählt. Gleichzeitig versuchte er es auch beim Neuenburger Gemeinderat, um dort "von Steinenstadt etwas reinzubringen". Er brauchte drei Anläufe, dann klappte es. Die Leute kannten ihn nicht, daran, glaubt er, hat es gelegen.

Die Arbeit im Gemeinderat selbst empfand er als nicht gerade unkompliziert. Als kleine Fraktion wie die SPD im Neuenburger Gemeinderat habe man es schwer, sagt er. Und Übereinstimmungen seien selten. Hinzu kommt: "Die Stärke des Bürgermeisters und der Verwaltung ist enorm." Sie hätten viele Möglichkeiten, bestimmte Themen "durchzuboxen", sagt Lacôte. Etwa, Themen wieder und wieder zu verhandeln, bis die Gegner sie zermürbt durchwinken. Außerdem habe die Verwaltung deutlich länger Zeit, sich einzuarbeiten, weil sie die Unterlagen früher kriegt. "Ich verstehe das", sagt Lacôte. "Jeder nutzt die Mittel, die er hat." Umweltthemen würden zu wenig behandelt, findet er außerdem. Das sei in Steinenstadt etwas leichter, dort sind die Leute näher an der Natur. In der Stadt stehen andere Dinge im Vordergrund.

Die Gesundheit geht jetzt vor


Und trotz allem: Lacôte bedauert es, dass er nicht mehr weitermachen kann. Seine kommunalpolitischen Ämter musste er aus gesundheitlichen Gründen aufgeben. Bei einer Großdemo gegen Tschernobyl für die Schließung des Akw Fessenheim im April erlitt er einen Schwächeanfall; später wurde Blasenkrebs festgestellt, eine OP folgte. Im August fing er mit einer Immuntherapie an, die körperlich sehr belastend ist, sagt der heute 71-Jährige. Jean-Paul Lacôte war immer schon ein politischer Mensch – aber nun gehen andere Dinge erst mal vor. Denn nur ein bisschen mitmachen, das kann Lacôte nicht. "Entweder ich bin bei einer Sache dabei oder nicht." Er kümmert sich jetzt um seine Gesundheit, seine beiden Enkelkinder Mathis, 8, und Hannah, die 5 Jahre alt wird, und um seine Lebensgefährtin. Bald zieht er zu ihr nach Waldkirch. Nur der Kampf gegen Fessenheim, den gibt er nicht auf. "Da lass’ ich nicht locker."

Zuletzt geändert am: 09.11.2016 um 10:15:04

Zurück

Kommentare

Keine gefunden

Kommentar hinzufügen