Nachrichten

Notstromgeneratoren in Fessenheim waren nicht erdbebensicher

>>>weiter lesen

Kritische Theorie

>>>weiter lesen

Gutachten zum Akw Fessenheim: Auflagen der Atomaufsicht werden nicht umgesetzt

>>>weiter lesen

Video Clip Fessenheim


von brutto tempo

Informationen

Aktuelle bekannte Petitionen

Bookmark and Share

Block 2 in Fessenheim darf vorerst nicht mehr ans Netz Aktionsbündnis News
Veröffentlicht von Administrator (admin) am 20.07.2016
News >> Aktionsbündnis News


Ob Reaktor 2 von Fessenheim widerstandsfähig ist, daran zweifelt die Atomaufsichtsbehörde ASN. Foto: Christophe Karaba


Die Untersuchungen laufen bereits seit dem 13. Juni – an jenem Tag hatten die Betreiber Block 2 heruntergefahren. Die Aktion steht in Zusammenhang mit dem Skandal um die Reaktorschmiede Le Creusot, wo Herstellungsprotokolle geschönt wurden.

Für die französische Atomaufsicht (ASN) steht die Widerstandsfähigkeit von Reaktor 2 im elsässischen Akw Fessenheim weiterhin in Frage. Am 13. Juni war er für Sicherheitstests heruntergefahren worden. Am gestrigen Dienstagabend veröffentlichte die Kontrollbehörde ihre Entscheidung: Das Prüfzertifikat für einen der Dampfgeneratoren in Block 2 wird aufgehoben - so lange, bis alle Zweifel an dessen Widerstandsfähigkeit ausgeräumt sind. Julien Collet, stellvertretender Direktor der ASN, sagte dazu: "Wir sind derzeit nicht in der Lage, die Betriebsfähigkeit des installierten Dampfgenerators zu bescheinigen." In ihrer schriftlichen Mitteilung bemängelt die Atomaufsicht, der 2008 hergestellte Generator entspreche nicht den technischen Unterlagen, die der Behörde damals übermittelt worden seien.

Skandal um Reaktorschmiede

Die Entscheidung der französischen Atomaufsicht steht in Zusammenhang mit einem Skandal um die Reaktorschmiede Le Creusot. Dass aus "Creusot Forge" seit Jahrzehnten geschönte Produktionsprotokolle an Kunden weitergegeben wurden, war öffentlich geworden, als die ASN vor einem Jahr Materialunregelmäßigkeiten am Druckbehälter des Reaktors EPR in Nordfrankreich feststellt hatte. In der Folge entdeckten die Atomkontrolleure hunderte von Prüfunterlagen, die nach der Produktion von Reaktorbauteilen an die Kunden weitergebeben worden waren – mit technischen Daten, die zwar den Vorschriften, nicht jedoch den Tatsachen entsprachen.

Vom Atomkonzern Areva, der für die "Hardware" der französischen Atomkraftwerke zuständig ist, verlangt die ASN deshalb weitere Nachweise zur Materialsicherheit der noch infrage stehenden Teile. Mehr als 80 solcher Unregelmäßigkeiten sollen laut ASN aufgetaucht sein. Areva selbst spricht von Abweichungen bei den Herstellungsstandards, sieht aber keine Gefährdung. In Block 2 in Fessenheim wurden Unregelmäßigkeiten bei der Zusammensetzung des Stahls im unteren, zylindrisch geformten Bereich eines Dampferzeugers festgestellt.

80 Unregelmäßigkeiten


Jeder der beiden Reaktoren in Fessenheim benötigt drei solcher Generatoren: Mithilfe der durch Kernspaltung erzeugten Energie wandeln sie Wasser in Wasserdampf um, der wiederum Stromturbinen antreibt. Sie sind besonders hohen Belastungen ausgesetzt. In ihrem Inneren zirkuliert auf 320 Grad Celsius erhitztes Wasser bei einem Druck von 155 Bar.

Inwieweit punktuell zu hohe Kohlenstoffkonzentrationen im Reaktorstahl nicht nur im Normalbetrieb, sondern auch bei einem nuklearen Unfall die Widerstandsfähigkeit der betroffenen Bauteile beeinträchtigen, darüber gibt es keine eindeutigen Erkenntnisse. Entscheidend ist die Prüfung des Einzelfalls.

Sollten die weiteren Untersuchungen zu der Erkenntnis führen, dass der Dampferzeuger ein Sicherheitsrisiko darstellt, wird die ASN eine neue Genehmigung verweigern und verlangen, dass der betroffene Generator erneuert wird. Obwohl der Le-Creusot-Skandal dessen Herstellung seit 1965 betrifft, handelt es sich bei dem Dampfgenerator von Fessenheim nicht einmal um ein älteres Bauteil. Alle drei Dampfgeneratoren waren 2011 ausgetauscht worden. Kostenpunkt 150 Millionen Euro.

Abschaltungstermin weiterhin unklar


Unklar bleibt unterdessen, ob die aktuellen Probleme die Pläne von Staatspräsident François Hollande begünstigen, Fessenheim endgültig abzuschalten. Definitiv stillgelegt könnten die elsässischen Reaktoren wohl erst 2018. Umweltministerin Ségolène Royal will einen entsprechenden Erlass allerdings noch in diesem Jahr unter Dach und Fach bringen. EdF hätte als Akw-Betreiber bis Ende Juni die Abschaltung beantragen müssen – und ist dies nach allem, was man weiß, schuldig geblieben. 2017 stehen Neuwahlen ins Haus, die die Sozialisten verlieren könnten. Die konservative Opposition hält am Standort Fessenheim fest.

Mehr zum Thema:


Zuletzt geändert am: 20.07.2016 um 12:21:27

Zurück

Kommentare

Keine gefunden

Kommentar hinzufügen