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BZ-INTERVIEWmit Axel Mayer zur Platzbesetzung Marckolsheim Aktionsbündnis News
Veröffentlicht von Administrator (admin) am 20.09.2014
News >> Aktionsbündnis News

 

Axel Mayer Foto: Privat

KREIS EMMENDINGEN. Am 20. September 1974, vor 40 Jahren also, wurde der Platz für den geplanten Bau eines Bleichemiewerks im elsässischen Marckolsheim von Aktivisten der Umweltbewegung besetzt. Damit wurde − auch im Hinblick auf das geplante Atomkraftwerk in Wyhl − ein wichtiger Impuls gegeben. Mit Axel Mayer, der damals dabei war, sprach Patrik Müller.

BZ: Herr Mayer, was wäre eigentlich passiert, wenn das Bleichemiewerk gebaut worden wäre?
Mayer: Für die Region wäre das ein sehr großes Problem geworden. Die Zeit damals war die der guten, alten, offenen ehrlichen Umweltverschmutzung – schreiben Sie das bitte in Gänsefüßchen (Anmerkung der Redaktion: Wir haben im Interview keine Gänsefüßchen). Auf den Kaiserstuhl und das Elsass wären jährlich viele Tonnen extrem giftiges Blei niedergegangen. In Norddeutschland gab es ein vergleichbares Werk, dort sind Kühe auf der Weide gestorben. Für den Unternehmer wäre das Werk ein Flop geworden: Das Blei hat man für Farben, Lacke und andere Stoffe gebraucht – ein paar Jahre später wurde Blei in vielen Produkten verboten. Dass wir Umweltschützer dem Fortschritt und manchmal sogar ungewollt den Unternehmern helfen, habe ich immer wieder erlebt. Bedankt hat sich der Fabrikant aber nie.

BZ: Welche Folgen hat die Verhinderung des Blei-Werks für den Widerstand gegen das AKW Wyhl gehabt?
Mayer: Es wäre wesentlich schwieriger geworden, das geplante AKW zu verhindern. In Marckolsheim haben wir gelernt, dass man mit einer illegalen Platzbesetzung erfolgreich sein kann. Das gab der Bewegung Kraft und Schwung. Der Bau des Bleichemiewerkes wurde schließlich vom französischen Staat verboten – mit dieser Erfahrung sind wir nach Wyhl gezogen. Dazu kommt noch etwas: In Marckolsheim und später bei der Besetzung in Wyhl haben Menschen aus Baden und dem Elsass erstmals nach den schrecklichen Erfahrungen zweier Weltkriege innere und äußere Grenzen überwunden und den Traum vom Europa der Menschen geträumt.

BZ: Wie beurteilen Sie die illegalen Bauplatzbesetzungen in Marckolsheim und Wyhl heute?
Mayer: Für die damalige Zeit waren sie das richtige Instrument. Es hat funktioniert, weil die Zusammensetzung der Leute gestimmt hat, weil es genau die richtige Mischung aus Ortsansässigen und Studenten war, aus Konservativen und Linken, aus Elsässern und Badenern. Man sollte sich aber nicht zu wichtig nehmen. Manchmal öffnet sich ein Geschichtsfenster – und dann sind Dinge möglich, die ein Jahr später schon nicht mehr funktioniert hätten. Das Modell Marckolsheim/Wyhl ließ sich noch auf auf die geplanten AKW in Kaiseraugst, Gerstheim und auf die verhinderten gentechnischen Freilandversuche in Buggingen übertragen, aber schon nicht mehr auf den Widerstand gegen das AKW Brokdorf. Auch deshalb, weil die Gegenseite aus den Konflikten gelernt hat. Die Durchsetzungsstrategien wurden besser – und heute wird jedes noch so umweltschädliche Produkt grüngewaschen.

BZ: 40 Jahre später sind die Grünen im Land an der Macht. Ist der Kampf vorbei?
Mayer: Die Grünen sind nur an der Regierung, nicht an der Macht. Ich sehe zwei Phasen der Umweltbewegung und Umweltpolitik. Die erste Phase war der Kampf um saubere Luft und sauberes Wasser und gegen die klassische Umweltvergiftung. Da haben wir in Zentraleuropa viel erreicht – leider wurden einige Probleme in die Dritte Welt exportiert. In der zweiten Phase sind die Konflikte andere, sie sind differenzierter und komplizierter: Es geht um Nachhaltigkeit, um Zukunftsfähigkeit, um Frieden und aktuell um das demokratiegefährdende Freihandelsabkommen. Es ist wesentlich einfacher, gegen eine Stinkefabrik oder ein AKW anzugehen – früher waren Gut und Böse erkennbarer getrennt.

BZ: Darf man mit Begriffen wie Gut und Böse arbeiten?
Mayer: Damals war das in Ordnung. Wenn die Kühe auf der Weide wegen Bleivergiftung tot umfallen, wenn Kinder an Pseudo-Krupp leiden, wenn Menschen an Asbest sterben sind Gut und Böse eine klare Sache.

BZ: Was wäre denn aus dem Teninger Axel Mayer gewesen, wenn er sich nie gegen das Marckolsheimer Bleichemiewerk aufgelehnt hätte?
Mayer: Ich finde es ganz schwierig, rückblickend eine Prognose abzugeben. Für mich war es auf jeden Fall ein wichtiger Impuls und hat am Ende dazu geführt, dass aus einem langhaarigen Bauplatzbesetzer ein BUND-Geschäftsführer wurde, ein Kreisrat und Vizepräsident des Trinationalen Atomschutzverbands der Bevölkerung rund um das Atomkraftwerk Fessenheim (Tras). Marckolsheim und Wyhl sind wichtige Wurzeln meines Engagements – aber auch der globalen Umweltbewegung.

Axel Mayer (58) lebt heute in Endingen.

Zuletzt geändert am: 20.09.2014 um 11:09:19

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