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Die Gefahr jenseits der Grenze Aktionsbündnis News
Veröffentlicht von Administrator (admin) am 31.05.2012
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fn web www.fnweb.de/nachrichten/die-gefahr-jenseits-der-grenze-1.594049

Bürger in Hartheim kämpfen seit Jahrzehnten gegen das AKW Fessenheim in Frankreich

Hartheim. Von der Bundeskanzlerin habe sie sich mehr erwartet, klagt Kathrin Schönberger. Die dunkelhaarige Frau sitzt in ihrem Amtszimmer. Sie lehnt sich zurück, streift sich etwas verlegen durchs Haar und seufzt. Vor ihr liegt das Schreiben vom Sommer 2011. In ihm forderte sie Angela Merkel dazu auf, ihr beizustehen im Kampf gegen das Atomkraftwerk (AKW) Fessenheim. "Als Antwortschreiben kamen nur allgemeine Sätze. Ich hätte eine persönliche Reaktion erwartet", sagt die 42-Jährige.

Schönberger ist Bürgermeisterin im südbadischen Hartheim. Es gibt keine andere Kommune auf deutschem Boden, die näher am ältesten der 58 französischen Meiler dran ist. Die Hartheimer, erzählt die Rathauschefin, hätten gelernt, mit dem sechs Kilometer entfernten AKW zu leben. Und trotzdem hätten die Menschen hier ständig ein ungutes Gefühl. Dies kommt daher, weil sie ein Thema nicht verdrängen könnten: Was passiert, wenn es in Fessenheim zu einem GAU oder gar einem Super-GAU kommt?

Nach dem Drama von Fukushima und den politischen Reaktionen in Deutschland ist in Hartheim noch eine andere Frage dazugekommen: Warum werden in Deutschland aus Sicherheitsgründen Kraftwerke abgeschaltet, während die alten Meiler in Frankreich in Betrieb bleiben? "Ich hoffe, dass Hollande seine Zusage einhält", sagt Schönberger. Der neue französische Präsident hat im Wahlkampf versprochen, Fessenheim 2017 abzuschalten. Doch französischen Regierungen trauen die Hartheimer inzwischen nicht mehr. "Wenn es in Fessenheim zu Zwischenfällen kommt, erfahren wir es erst immer einige Tage später", erzählt eine Bäckereiverkäuferin. Sie zittere immer, wenn eine Sirene oder ein Alarm zu hören sei. "Wir hoffen dann nur, dass es nicht Fessenheim ist", sagt die 63-Jährige.

Freundschaft der Gemeinden

Hans Schmidt lebt seit 50 Jahren in Hartheim. "Seit Jahrzehnten demonstrieren wir schon gegen Fessenheim. Und es passiert nichts", schimpft der 83-Jährige. Die Formulierung "Gegen Fessenheim" ist von den Hartheimern oft zu hören. Dabei meinen sie nur das AKW und nicht die Bürger der Stadt auf der anderen Seite des Rheins. "Wir wollen unsere Freundschaft nicht belasten", erklärt Schönberger. Schließlich habe man mit den Franzosen seit 1993 eine Städtepartnerschaft. Die zwei Orte pflegen über ihre Vereine oder ihre Stadträte ein enges Verhältnis. Regelmäßig würden die Fessenheimer und die Hartheimer zusammenkommen. Das Thema AKW Fessenheim werde dann nicht angesprochen. Schönberger: "Es wird verdrängt, damit es keinen Streit gibt."

Wenige Kilometer entfernt sieht die Situation ganz anders aus. Unter den rund 2300 Fessenheimern arbeiten mehrere Hundert im AKW. Dessen Betreiber, der EdF-Konzern, soll jährlich über fünf Millionen Euro Gewerbesteuer an die Gemeinde Fessenheim bezahlen. Deshalb haben die Bürger auch bei der Präsidentschaftswahl mehrheitlich Nicolas Sarkozy unterstützt, der versprochen hatte, das AKW weiterzubetreiben. Erst kürzlich wurde die Laufzeit der 1977 gebauten Anlage um zehn Jahre verlängert.

Das kann Axel Mayer nicht verstehen. Seit 20 Jahren kämpft er als Geschäftsführer des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) Südlicher Oberrhein gegen Kernenergie. Er läuft zusammen mit Peter Falk, SPD-Gemeinderat im nahe gelegenen Bad Krozingen, das Rheinufer entlang. Wenn Falk auf die zwei Reaktorblöcke schaut, packt ihn die Wut. Auch auf die deutsche Kanzlerin. "Merkel hat ja nie Druck auf ihren Freund Sarkozy ausgeübt", sagt der 59-Jährige. Die Argumente, die gegen den Fessenheimer Meiler sprechen, können die beiden im Schlaf herunterbeten. Das AKW sei zu alt. Außerdem bestehe hier im Rheingraben eine erhöhte Erdbebengefahr. Und es gebe große Sicherheitsmängel.

© Mannheimer Morgen, Donnerstag, 31.05.2012

Zuletzt geändert am: 31.05.2012 um 19:19:27

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