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Fessenheims Block 2 muss für neun Monate vom Netz Aktionsbündnis News
Veröffentlicht von Administrator (admin) am 13.10.2016
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Das AKW Fessenheim.© niz

Wegen Fabrikationsproblemen beim Dampfgenerator, der erst 2011 ausgetauscht wurde, ist der Betreiber in Schwierigkeiten. Er muss nun nachweisen, dass der Generator dennoch sicher ist.

Betreiber Electricité de France (EDF) hat wirklich Pech. Seit Jahren steht das insbesondere in Baden und der Nordwestschweiz ungeliebte AKW Fessenheim im Zentrum der Kritik und soll laut eines Wahlversprechens des linken französischen Präsidenten François Hollande abgeschaltet werden.

 

Und jetzt das: Derzeit liefert Block 2 des elsässischen Atomkraftwerks keinen Strom, weil er abgeschaltet werden musste. Dauern wird dies voraussichtlich bis März 2017. Für einmal handelt es sich aber nicht um ein Fessenheim-spezifisches Problem. Grund sind Unregelmässigkeiten bei den Herstellungsprotokollen der französischen Stahlfirma Le Creusot, die Teile für Atomkraftwerke herstellt. Festgestellt hat die Probleme die ASN, die französische Atomaufsichtsbehörde.

Genauer gesagt handelt es sich um einen vier Meter hohen Zylinder mit drei Meter Durchmesser, der zum Dampfgenerator gehört. Dieser sorgt dafür, dass die im Primärkreislauf entstandene Hitze über heisses Wasser Dampf erzeugt, der im Sekundärkreis eine Turbine antreibt und so Strom erzeugt.

Dampfgenerator 2011 erneuert

Betroffen von den Problemen sind zwölf französische AKW und im Block 2 von Fessenheim einer der drei Dampfgeneratoren. Besonders bitter: Er ist erst 2011 ausgetauscht worden und also noch relativ neu. Abgeschaltet worden war der Block 2 bereits am 13. Juni 2016, weil Brennelemente erneuert werden mussten und eine Vielzahl von Unterhaltsarbeiten anstanden. EDF bemüht sich mit Nachdruck darum, der ASN möglichst bald nachweisen zu können, dass der Dampfgenerator trotzdem sicher ist, aber das braucht Zeit. Nicht ganz auszuschliessen ist laut der Tageszeitung «L'Alsace», dass er ganz ausgetauscht werden muss.

Ganz allein steht EDF mit den Problemen nicht. In der Schweiz sind derzeit auch Beznau I und Leibstadt aus Sicherheitsgründen für lange Zeit vom Netz.

Die Abschaltung von Fessenheim soll laut Umweltministerin Ségolène Royal durch einen Erlass bis Ende Jahr eingeleitet werden. Ganz abgeschaltet würde Fessenheim 2018, wenn der Europäische Druckwasserreaktor EPR im nordfranzösischen Flamanville in Betrieb geht. Laut eines Energiegesetzes darf der Atomenergieanteil in Frankreich dadurch nicht steigen, es muss also ein anderes AKW abgeschaltet werden.

Insgesamt hängen 2000 Jobs und Steuereinnahmen von 47,8 Millionen Euro (2015) an Fessenheim. Da verwundert es nicht, dass sich bürgerliche elsässische Politiker und auch die Belegschaft mit Händen und Füssen dagegen wehren. Als das Thema im September im Betriebsrat von EDF auf der Tagesordnung stand, streikten aus Protest 82 Prozent der Belegschaft von Fessenheim.

Verärgert über die Nachbarn

Wenn die deutschen Nachbarn, wie diesen Montag auf der Sitzung der Überwachungskommission zum AKW in Colmar, eine kritische aktualisierte Studie des Freiburger Öko-Instituts vorlegen, liegen die Nerven blank. Den Schlussfolgerungen, dass Fessenheim in vielen Punkten den Sicherheitsbestimmungen deutscher AKW nicht entspreche, entzogen sich der Maire von Fessenheim und die Vertreter der Belegschaft, in dem sie unter Protest die Sitzung verliessen.

Unter Druck ist EDF auch durch einen Prozess, der vor kurzem vor dem Kreisgericht von Guebwiller lief. Es ging dabei um einen Rohrleitungsbruch im nicht nuklearen Teil des AKW vom Februar 2015, bei dem 300 Kubikmeter Wasser in den Maschinensaal ausgeflossen waren. Als die ASN fünf Tage später die Rohre nach der Reparatur begutachtete, kam es zu einem erneuten Bruch. EDF könnte zu einer Geldstrafe verurteilt werden. Das Urteil wird für den 7. Dezember erwartet.

Unklar ist, wie es mit Fessenheim nach den Präsidentschaftswahlen vom Frühjahr 2017 weitergeht. Beide bürgerlichen Kandidaten, Alain Juppé wie Nicolas Sarkozy, haben für den Fall eines Wahlsiegs angekündigt, dass sie die Stilllegung von Fessenheim wieder rückgängig machen wollen.

Zuletzt geändert am: 13.10.2016 um 18:01:14

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