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Jede Menge Fragezeichen: Zwei Jahre nach dem umstrittenen Störfall im AKW Fessenheim. Aktionsbündnis News
Veröffentlicht von Administrator (admin) am 08.04.2016
News >> Aktionsbündnis News


Foto: Karikatur: Bert Kohl

FESSENHEIM/MÜLLHEIM. Am heutigen Samstag vor zwei Jahren ereignete sich im Atomkraftwerk Fessenheim ein Störfall, der erst vor wenigen Wochen bundesweit für Schlagzeilen sorgte. Die Aufregung zum jetzigen Zeitpunkt erscheint ein wenig merkwürdig, denn den regionalen Beobachtern des umstrittenen Kraftwerks waren die Vorgänge um den 9. April 2014 bekannt. Auf der anderen Seite sind bis heute wichtige Fragen offen. Für das Aktionsbündnis "Fessenheim stilllegen. Jetzt!" mit Sitz in Müllheim gibt es reichlich Gründe, an verschiedenen Fronten den Widerstand neu zu mobilisieren.

Wie dramatisch war der Störfall am 9. April 2014 im Reaktorblock 1 des AKW Fessenheim? Wer nicht nur auf schnelle Antworten und platte Parolen pro oder kontra Kernkraft aus ist, wird feststellen, dass diese Frage nach jetzigem Kenntnisstand nur sehr schwer zu beantworten ist. Der Eindruck, der in der von Süddeutscher Zeitung und WDR ausgelösten Berichterstattung Anfang März teilweise entstand, Fessenheim habe kurz vor einem GAU gestanden, lässt sich bei näherer Betrachtungsweise kaum halten. Auch der immer wieder erhobene Vorwurf der Vertuschung greift zu kurz: Dokumente der französischen Atomaufsichtsbehörde ASN zu dem Störfall standen schon seit geraumer Zeit im Internet, in diversen Fachgremien wurde die Angelegenheit behandelt.

Dennoch sehen selbst Experten weiterhin etliche Fragezeichen. Die größten kreisen um die Art und Weise, wie der Reaktor heruntergefahren wurde, nachdem es einen Wassereinbruch in Kontrollräumen des Kernkraftwerks gegeben hatte. Für Christian Küppers vom Öko-Institut in Darmstadt, der sich seit etlichen Jahren auch mit dem AKW Fessenheim beschäftigt, war dieser Wassereinbruch ein Zwischenfall von einer Dimension, die es eigentlich erfordert, "den Reaktor so schnell wie möglich herunterzufahren", meint Küppers gegenüber der BZ. Normalerweise erfolgt dies über das Einsenken der Steuerstäbe in den Reaktorkern.

Bekannt ist, dass es am 9. April 2014 offenbar Probleme mit der Bedienung dieser Steuerstäbe gab. Nun gibt es aber zwei grundsätzliche Verfahren im Umgang mit ihnen: ein kontrolliertes und stufenweises Hinein- und Herausfahren der Stäbe zur Regulierung des Reaktors. Und eine Notabschaltung, bei der die Stäbe mit einem Schlag in den Reaktorkern fallen. Für diese Notabschaltung sind eigentlich nur die Gesetze der Schwerkraft erforderlich. Die Steuerstäbe werden über Elektromagneten gehalten, schaltet man den Strom aus oder fällt er aus, fallen die Stäbe.

Entgegen teilweise anders lautenden Berichten gehen Experten wie Küppers davon aus, dass diese Notabschaltung auch am 9. April 2014 funktioniert hätte. Doch sie wurde nicht ausgelöst – warum nicht? Konnte man nicht oder wollte man nicht? Wollte man die Systeme schonen, die bei einer Schnellabschaltung besonders beansprucht werden. Küppers hält dagegen: Bei der damaligen Schadenslage mit Wassereinbruch und Schäden an Schaltschränken wäre eine Schnellabschaltung angesagt gewesen; die Zusatzbelastung dürfe in so einem Fall eigentlich nicht mehr ins Gewicht fallen, so Küppers.

Um den Reaktor herunterzufahren, wurde stattdessen ein Verfahren angewandt, das Experten verwundert. Die Einleitung von Borsäure wird normalerweise benutzt, um über längere Zeiträume den Neutronenfluss im Reaktorkern zu regulieren, nicht aber, um den Reaktor herunterzufahren, weder im Normal- noch im Notfall.

Europa-Fraktion der Grünen hat Gutachten beauftragt


Auch der Experte für AKW-Sicherheit Manfred Mertins wurde in mehreren Medien zitiert, wonach der Einsatz von Bor am 9. April 2014 höchst ungewöhnlich gewesen sei. Gegenüber der BZ wollte sich Mertins dazu für den Moment nicht noch einmal äußern – aus verständlichem Grund: Er hat für die Fraktion der Grünen im Europaparlament ein Gutachten zu dem Störfall erarbeitet, das noch nicht für die Öffentlichkeit freigegeben wurde. Dem wolle er nicht vorgreifen, so Mertins gegenüber der BZ.

Diffus ist die Lage auch bezüglich eines möglichen temporären Kontrollverlustes über die Temperatur im Reaktor. "Während des Herunterfahrens des Reaktors ist die Temperatur der primären Flüssigkeit tiefer gesunken als in den allgemeinen Betriebsmaßnahmen vorgeschrieben", heißt es in einem Schreiben der ASN an den Direktor des AKW Fessenheim Ende April 2014. Ein unterkühlt laufender Reaktor kann kritisch werden, denn die Kernspaltung läuft bei niedrigeren Temperaturen effektiver ab.

Derweil beschäftigen sich Mitglieder des Aktionsbündnisses "Fessenheim stilllegen. Jetzt!" mit noch weitergehenden Fragen: Nämlich wie es um den Verschleiß der Reaktordruckbehälter (RDB) in Fessenheim bestellt ist. Mitglieder des Aktionsbündnisses fürchten, dass bisherige Untersuchungen der RDB – nicht nur in Fessenheim – nur oberflächlich stattfanden und damit unzureichend seien könnten. Im belgischen Meiler Doel wurde eine beunruhigend große Zahl von Rissen gefunden – "per Zufall", wie die Kritiker sagen, weil man dort tiefere Schichten der Außenhaut des RDB untersucht hat, was sonst unüblich sei.

Wie ist es diesbezüglich um Fessenheim bestellt? Auch hier wieder: jede Menge Fragezeichen. Von offizieller Seite heißt es, in Fessenheim gebe es keine Probleme mit Rissen in den RDB; bereits vor Jahren gefundene Risse seien herstellungsbedingt, sie hätten sich nach Erkenntnissen der letzten Zehn-Jahres-Inspektion auch nicht verändert. Fakt ist: Auch in Fessenheim muss wie in anderen älteren AKW das Wasser für eine Notfallkühlung vorgewärmt werden, um der Gefahr eines sogenannten Sprödbruches des RDB vorzubeugen. Was ist, wenn dieser Mechanismus versagt? "Alles an einem Kernreaktor hat man bis heute erneuern können, den RDB nicht", heißt es in einem Schreiben des Aktionsbündnisses "Fessenheim stilllegen. Jetzt!". Dabei sei dieser die entscheidende Barriere vor der Freisetzung von radioaktiven Elementen.

Zuletzt geändert am: 08.04.2016 um 21:46:41

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