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Nicht mehr Pannen als anderswo auch Aktionsbündnis News
Veröffentlicht von Administrator (admin) am 01.07.2016
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Fessenheim-Aus beantragt? Betreiber EdF ist auf Tauchstation. Foto: dpa

STRASSBURG. Die französische Atomaufsicht hat keine Sicherheitsbedenken beim Atomkraftwerk Fessenheim und sieht deshalb auch keinen Grund zur Stilllegung. Bei der Jahrespressekonferenz der Kontrollbehörde am Donnerstag in Straßburg stand umso drängender die Frage im Raum: Wird die von Präsident Hollande geplante Abschaltung noch 2016 festgezurrt? Am gleichen Tag lief eine dafür entscheidende Frist ab: Bis Ende Juni sollte der Betreiber EdF offiziell die Abschaltung beantragen.

Nichts davon ist bisher an die Öffentlichkeit gedrungen. Die Chefkontrolleure der Straßburger Atomaufsicht verweigerten jeden Hinweis, ob sich hinter den Kulissen etwas getan habe. Ein einfacher Brief genügt, ließ einer von ihnen verlauten. Darin müsse EdF das Datum der endgültigen Abschaltung angeben. Die anwesendenen Journalisten hätten gern erfahren, ob EdF sich dem Willen der zuständigen Ministerin gebeugt hat. Vor wenigen Wochen hatte Le Monde berichtet, EdF gehe auf Konfrontation. Umweltministerin Ségolène Royal dementierte und ließ wissen, sie erwarte, dass die EdF Wort halte.

Sorgen um die Sicherheit der beiden 900-Megawatt-Meiler an der deutsch-französischen Grenze muss man sich, glaubt man der Kontrollbehörde, anscheinend nicht machen. Nach 17 angemeldeten und unangemeldeten Kontrollen im Jahr 2015 kommt die unabhängige ASN zu dem Schluss, dass die Reaktoren getrost weiterlaufen könnten. "In Fessenheim gibt es nicht mehr Vorfälle als in anderen französischen Anlagen", betont der Chef der Straßburger ASN, Pierre Bois. Das hohe Alter sei nicht zwingend ein Grund für geringere Sicherheit.

Kommen Materialfehler im Reaktorstahl hinzu, fällt das Urteil vielleicht nicht mehr so makellos aus. Mängel bei der Herstellung von Reaktorbauteilen nagen derzeit heftig am Image der französischen Atombranche. Nachdem vor einem Jahr auf der Baustelle des Reaktors EPR im nordfranzösischen Flamanville Materialunregelmäßigkeiten am Druckbehälter, dem technischen Herz eines jeden Atomreaktors, festgestellt worden waren, forschte EdF unter dem Druck der Atomaufsicht nach den Ursachen.

In der Reaktorenschmiede Le Creusot wurde geschlampt


Es zeigte sich: In der Stahlschmiede Le Creusot war seit Jahrzehnten geschlampt worden. Ein abschließendes Urteil der Atomaufsicht, inwieweit diese Mängel tatsächlich die Robustheit der Anlagen beeinträchtigen und damit sicherheitsrelevant sind, steht noch aus. In der Folge stieß man immerhin in hunderten Fällen auf Abweichungen zwischen internen und den an die Kunden weitergegebenen Kontrollberichten. Der oberste Atomkontrolleur in Paris, ASN-Präsident Pierre-Franck Chevet, sprach von "inakzeptablen industriellen Praktiken". Der Skandal betrifft Akw-Bauteile bis zurück ins Jahr 1965 – und damit auch Fessenheim, das seit 1977 in Betrieb ist, sowie das Schweizer Kraftwerk Beznau nahe der deutschen Grenze.

Einen Großteil der fraglichen 80 Schwachstellen will EdF in den vergangenen Monaten geprüft haben. Für bedenklich allerdings hält der Betreiber die unregelmäßige Verteilung der chemischen Elemente im Reaktorstahl nicht, so die Abschlussbewertung. "Wir als Aufsichtsbehörde behalten uns ein eigenes Urteil vor, nachdem wir die Daten, die uns EdF vorlegt, geprüft haben", sagte Pierre Bois über die EdF-Anhörung.

Auch Block I in Fessenheim wurde auf "Ungereimtheiten" in den Prüfberichten zur äußeren Stahlschicht des Reaktordruckbehälters untersucht. Auch hier soll man sich laut Atomaufsicht keine Sorgen machen müssen. Für Block II steht noch ein Testergebnis aus. Dort waren erst 2011 die drei Dampfgeneratoren ausgetauscht worden. Zwei der 20 Meter hohen und 400 Tonnen schweren Ungetüme sind bereits getestet. Die Analysen für den dritten laufen seit 13. Juni am ausgeschalteten Reaktor.

"Könnte es sein, dass er vielleicht nie wieder ans Netz geht?", fragte ein französischer Journalist. "Selbstverständlich", antwortete Bois knapp und legte – leicht irritiert – nach: "Ich kann ihnen zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen, was die ASN nach ihrer Analyse entscheiden wird." Auch zur Rechtslage mag sich keiner verbindlich äußern. Könnte eine neue Regierung im Frühjahr den Stilllegungsprozess rückgängig machen? Nur so viel lässt man nach außen: Hat die EdF ihr Schreiben abgeschickt, dann kann die Politik nicht ohne weiteres in den Prozess eingreifen.

Zuletzt geändert am: 01.07.2016 um 08:04:11

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