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Paris: Ausstieg bleibt eine Utopie Aktionsbündnis News
Veröffentlicht von Administrator (admin) am 22.04.2016
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Foto: SWP GRafik / Reichelt

Offiziell will Paris den atomaren Anteil an der Energieversorgung senken – aber bitte nicht so bald und nicht so richtig.

Als am 26. April 1986 das ukrainische Kernkraftwerk Tschernobyl explodierte, setzte die Detonation eine radioaktive Wolke frei, deren Strahlung bis zu 500 Mal stärker war als nach dem Atombombenabwurf auf Hiroshima. Über ganz Europa breitete sich die Wolke aus und versetzte die Menschen in Angst. Ganz Europa? Aber nein. In Frankreich blieb alles ruhig, da die Behörden der Bevölkerung weismachten, dass die Radioaktivität im Land sich keinen Deut erhöht habe.

Die Franzosen wissen seit langem, dass sie damals von Regierung und Atomlobby bewusst getäuscht worden sind. Doch an ihrer positiven Einstellung zur Nukleartechnologie hat sich selbst nach Fukushima wenig geändert. Die Atomenergie halten 62 Prozent für eine Trumpfkarte, weil sie ihnen die niedrigsten Strompreise in der EU beschert.

Den Anteil des Atomstroms bis 2025 von heute 75 auf 50 Prozent zu senken, war 2012 eines der Wahlversprechen von Präsident François Hollande. Die Nationalversammlung verabschiedet 2014 ein Energiewende-Gesetz: Ausgewogener und sicherer soll das französische Energiemodell werden, schon 2030 sollte demnach der Anteil der erneuerbarer Energien von derzeit 15 auf 30 Prozent steigen.

Für realistisch haben Kritiker diese Vorgaben noch nie gehalten. Schließlich würde die Stromversorgung auch bei der anvisierten Verdoppelung der Produktion von erneuerbaren Energien völlig zusammenbrechen, wenn auch nur ein Drittel der 58 französischen Atommeiler vom Netz ginge. Abschaltungen wohlgemerkt, die das Energiewende-Gesetz keineswegs vorschreibt, obwohl 80 Prozent der Reaktoren zwischen 2017 und 2027 die ursprünglich vorgesehene Lebensdauer von 40 Jahren erreicht haben werden.

Inzwischen hat ausgerechnet Umweltministerin Ségolène Royal, die das Energiewende-Gesetz durchsetzte, den Text wieder in Frage gestellt. Vor wenigen Tagen kündigte sie an,  dass die ersten Schritte zum Teilausstieg aus der Atomenergie auf die Zeit ab 2019 und damit in die nächste Legislaturperiode verschoben werden. Wobei sich diese Verschiebung durchaus als ein Begräbnis erster Klasse entpuppen könnte. Dass nach den Wahlen 2017 weiter eine linke Regierung das Sagen haben wird, ist höchst unwahrscheinlich. Das rechte Lager aber ist alles andere als ein Freund der Teilausstiegspläne.

In dieses Bild passt, dass der staatliche Energieanbieter EDF derzeit mit Royal über eine Verlängerung der Laufzeiten von zehn Jahren verhandelt. Ohnehin machen weder der EDF-Konzern noch der ebenfalls staatliche Kernkraftwerksbauer Areva den Eindruck, ihre nuklearen Ambitionen herunterschrauben zu wollen. So plant EDF-Chef Jean-Bernard Lévy, bis 2050 den Bau von 40 neuen Reaktoren, welche die alten Meiler ersetzen sollen. Im normannischen Flamanville wird derzeit ein Atommeiler des Typs EPR (Europäischer Druckwasserreaktor) gebaut. Dieser Vertreter der jüngsten, von Areva entwickelten AKW-Generation soll 2017 ans Netz gehen – als erstes der 40 neuen  Reaktoren.

 Derzeit ist nicht einmal gewiss, ob das am erdbebengefährdeten Ober- rheingraben nahe der deutschen Grenze liegende AKW Fessenheim vor Ende 2017, wie versprochen, abgeschaltet wird. Erst vor wenigen Wochen hatte Fessenheim zu einer offenen Kontroverse zwischen Frankreich und Deutschland geführt, wo Atomkraftgegner schon lange auf die Schließung der beiden ältesten Reaktoren drängen.

Die Vorstellung jedenfalls, dass dem Gastgeber des jüngsten Weltklimagipfels der Sprung von der Atomnation zu einem Land der Solaranlagen und Windräder gelingen könnte, mutet nach wie vor wie eine Utopie an.  Und dafür, dass sich daran in absehbarer Zeit wohl wenig ändern wird, lassen sich mit der Wirtschaftskrise und der hohen Arbeitslosigkeit mindestens zwei gute Begründungen finden. Von Frankreichs florierender Nuklearindustrie hängen 125 000 Arbeitsplätze ab.

Zuletzt geändert am: 22.04.2016 um 09:09:35

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Kommentare

von Gast am 24.04.2016 um 19:15:21
Bitte schreibt doch bei den wiedergegebenen Meldungen anderer das Originaldatum des Erscheinens dort dazu, danke, spart Extrasuche

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