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Proteste in Fessenheim gegen AKW-Schließung Aktionsbündnis News
Veröffentlicht von Administrator (admin) am 15.12.2012
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Badische Zeitung

Francis Rol-Tanguy, dem Koordinator für die Stilllegung von Fessenheim, versperrten Demonstranten am Freitag den Weg ins AKW. Foto: AFP

Wut und Sprechchöre: Gegen die Schließung des AKW Fessenheim haben am Freitag Arbeiter der Anlage protestiert. Sie versperrten dem neuernannten Koordinator für die Stilllegung den Weg. Der will die Sache hart angehen.

FESSENHEIM/COLMAR. Arbeiter des AKW Fessenheim im Elsass haben am Freitag gegen die für 2016 angekündigte Schließung protestiert. Sie versperrten den Zugang zu der Anlage und verweigerten dem neuernannten Koordinator für die Stilllegung, Francis Rol-Tanguy, den Zutritt. "Wir brauchen keinen Liquidator", riefen sie ihm zu.

Am Morgen stellen sich die 150 Männer und Frauen dem 59-Jährigen, der in Paris bereits "Monsieur Fessenheim" genannt wird, an der AKW-Pforte in den Weg. Sprechchöre schallen dem Mann entgegen, der ihren Arbeitsplatz abwickeln soll. Francis Rol-Tanguy versucht eine Viertelstunde lang sie zu beschwichtigen, um vielleicht doch noch die Mauer der Ablehnung zu durchbrechen und drinnen auf dem AKW-Gelände mit dem Direktor und Vertretern der Belegschaft ein Gespräch zu beginnen. Es ist aussichtslos.

"Ich bedaure es, dass die Beschäftigten es vorziehen, zu demonstrieren", sagt er kurz darauf im 30 Kilometer entfernten Colmar. Kaum zwei Tage nach seiner Ernennung hatte Rol-Tanguy den ersten Schritt auf jene zugehen wollen, die sein neues Amt direkt betrifft. Er war am frühen Morgen aus der Hauptstadt angereist und wurde noch auf dem riesigen Parkplatz vor dem AKW zurückgewiesen. Jetzt trägt er Enttäuschung in der Miene.

Im mittelblauen Anzug steht Rol-Tanguy in einem der herrschaftlichen Räume der Präfektur in Colmar. Der verblichene Glanz der Wandteppiche und des Mobiliars passt irgendwie zu diesem Anlass. Der Gast ist ja, nachdem sie ihn in Fessenheim nicht sehen wollten, nur aus Verlegenheit hier, beim vorverlegten Treffen mit der regionalen Presse. Wenigstens lässt man ihn hier zu Wort kommen.

Gefragt, warum er sich so etwas antue, formuliert er: "Es handelt sich hier um eine komplizierte Aufgabe, die ich mit Demut und zugleich mit großem Interesse angehe." Rol-Tanguy vermittelt den Eindruck, dass er als Buhmann für die Gewerkschafter aus Fessenheim der Falsche ist. "Hier gilt es technische Probleme zu lösen", sagt er. "Aber dieser Vorgang ist auch eine gesellschaftliche Aufgabe." Demut, das sagt er nicht von ungefähr. Er versucht, den richtigen Ton zu treffen, sagt, er könne den Ärger, der ihm entgegenschlägt, nachvollziehen, schließlich sei das ja auch "brutal", was mit den Arbeitern und ihren Familien, die von der Stilllegung betroffen seien, passiert. Und natürlich sei er sich über die geografische Lage des AKW im Klaren: Er werde bei sich bietender Gelegenheit auch auf die Deutschen und die Schweizer zukommen. Zumal EnBW und ein Schweizer Energieversorger seit den 70er Jahren bis heute Atomstrom aus Fessenheim beziehen. Aber natürlich hätten die lokalen Akteure Vorrang.

In Rol-Tanguy sehen die Sozialisten und Grünen, die seit Mai 2012 in Paris an der Regierung sind, den geeigneten Mann für eine äußerst heikle Aufgabe. In seiner Karriere hat der 59-Jährige schon für einen kommunistischen Verkehrsminister, in der Verkehrsadministration und bei der französischen Bahn gearbeitet. Jedenfalls ist er keiner von der Sorte: Jetzt komme ich und ich alleine weiß, wo es langgeht. "Jeder kann nachlesen, dass ich kein Spezialist für Kernenergie bin", verteidigt er sich. "Deshalb werde ich mir die gebotene Zeit nehmen, die nötigen Schritte zu gehen."

Rol-Tanguys Aufgabe als Beauftragter für die Stilllegung eines Atomkraftwerks ist in Frankreich ein Novum. Gleichwohl hat die Regierung seine Mission genau definiert. Er soll nicht nur den Rückbau der beiden Reaktorblöcke organisieren und eine künftige Nutzung des Geländes vorbereiten. Seine Aufgabe ist auch, mit dem Betreiber Electricité de France (EdF) den Übergang für die etwa 1000 Beschäftigten auszuhandeln und die Folgen für die Gemeinde und das Südelsass, das unter rasant steigender Arbeitslosigkeit leidet, so erträglich wie möglich zu halten.

Rol-Tanguy stellt jedoch unmissverständlich klar – und in diesem Moment wird deutlich, dass es trotz des vorgetragenen Willens zum Ausgleich hart zur Sache gehen wird: "Während der Phase des Rückbaus wird die Zahl der Beschäftigten deutlich geringer sein. Bei einer Lösung ist auch EdF gefordert."

Einen Zeitplan für die Stilllegung zieht er nicht aus der Tasche. Dafür kündigt er ein Gesetz an. Auch in Frankreich arbeitet die Regierung nämlich an einer Energiewende mit weniger Atomstrom als heute. Ende 2013, spätestens im Frühjahr darauf soll ein Gesetz den Aufbruch festzurren, und darin wird es auch einen Absatz geben, der die Stilllegung der beiden ältesten unter Frankreichs 58 Reaktoren unumkehrbar macht.

"Die Alternativen wären, dass entweder der Energieversorger selbst das Ende der Produktion in Fessenheim beschließt oder dass die Atomaufsicht sagt, dieses AKW stellt ein Risiko dar", erläutert Rol-Tanguy die Lage. Weil ersteres nicht geschehen wird und das zweite nicht eingetreten ist, bleibt also nur das Machtwort aus der Zentrale. Es wird seine Zeit brauchen, bis der Dialog in Gang kommt.

Zuletzt geändert am: 15.12.2012 um 10:00:16

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