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So soll Freiburg bei einem Störfall in Fessenheim evakuiert werden Aktionsbündnis News
Veröffentlicht von Administrator (admin) am 25.01.2018
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Von Uwe Mauch Mi, 24. Januar 2018 um 19:10 Uhr

Welche Teile Freiburgs werden wann evakuiert, wenn in Fessenheim der atomare Ernstfall eintritt? Ein neuer Plan sieht eine Evakuierung in drei Stufen vor – und unterteilt dabei Stadtteile.

Im atomaren Ernstfall soll die Stadt Freiburg in drei Stufen evakuiert werden: innerhalb von 24, 36 und 48 Stunden. Das erklärte Philipp Golecki vom städtischen Amt für Brand und Katastrophenschutz auf Nachfrage. Bislang war von zwei Stufen die Rede. Der Bund für Umwelt und Naturschutz bezeichnet die Fortschreibung des Notfallplans als zu kleinen Schritt in die richtige Richtung.

Seit Jahren vermissen Kritiker einen Plan für die Evakuierung Freiburgs. Sie dürfen sich bestätigt fühlen. Als Folge des GAU in Fukushima hat die Strahlenschutzkommission des Bundes vor mehr als drei Jahren eine neue Empfehlung herausgegeben. Sie führte dazu, die Evakuierungszonen rund ums elsässische Atomkraftwerk Fessenheim jetzt weiter zu fassen: Der Radius der Zentralzone, die im Ernstfall innerhalb von sechs Stunden geräumt sein soll, beträgt nun fünf statt zwei Kilometer. Die Mittelzone reicht 20 statt zehn Kilometer weit und soll innerhalb von 24 Stunden geräumt sein. "Vorher", sagt Golecki, "lag nur der Golfplatz in Munzingen innerhalb einer Evakuierungszone."

Die neue Linie trennt Stadtteile


Die neuen Radien erreichen nun Teile im Südwesten der Stadt. Nicht zuletzt deshalb sei Freiburg "ein besonders schwieriger Fall", sagte der stellvertretende Regierungspräsident Klemens Ficht, als er die neue Einteilung der Gemeinden in die Zonen und Sektoren vorstellte. Denn die neue Linie trennt Stadtteile. Wie sollte man Nachbarn erklären, dass sich die einen in Sicherheit bringen und die anderen bleiben sollen?

Die Rathausspitze forderte erst, ganz Freiburg in die Evakuierungszone zu packen. Abgesehen davon, dass eine Großstadt nicht innerhalb von 24 Stunden zu räumen ist, einigte sie sich mit dem Regierungspräsidium auf einen Kompromiss: die "Ausbuchtung" (siehe Grafik) und die Zusage des RP als Katastrophenschutzbehörde, Evakuierungspläne für die Gesamtstadt erstellen zu dürfen. Das Rathaus zog eine weitere Linie ein, die innerhalb von 36 Stunden geräumt sein soll.

Notfallplan soll auch für andere Katastrophen gelten


Die Einteilung folgt pragmatischen Gründen: Innerhalb der 24-Stunden-Zone liegen ganze Stadtteile bis zur Dreisam. Ausnahme ist die Wiehre, wo die Linie über den Lorettoberg gezogen wurde, der laut Philipp Golecki "eine gewisse Abschirmung" biete. Der Rest der Stadt wurde in zwei etwa gleich große Hälften geteilt (blaue Linie).

Goleckis Amt erarbeitet nun Evakuierungspläne für jeden Orts- und Stadtteil, die verknüpft oder auch einzeln Anwendung finden können, etwa bei Hochwasser, Erdrutsch oder Satellitenabsturz. Zunächst soll es eine Art Blaupause geben für einen Ort am Tuniberg und einen Stadtteil im Zentrum.

Zwei Szenarien für den Atomunfall


Bei einem Atomunfall gehen die Katastrophenschützer von zwei Szenarien aus: Bei einem schnellen Ereignis – etwa eine radioaktive Wolke bei starkem Wind – könne es sinnvoll sein, im Haus zu bleiben und Jodtabletten zu schlucken, die in den Wahllokalen ausgegeben werden. Bei einer langsamen Kernschmelze könne innerhalb der Fristen evakuiert werden.

Zwar sind die Hoffnungen nach dem Besuch des französischen Umweltstaatssekretärs in der vergangenen Woche gestiegen, dass Fessenheim in einem Jahr abgeschaltet wird. "Trotzdem wird mich das AKW bis zur Rente begleiten", sagt Philipp Golecki. Das Risiko würde zwar täglich sinken, aber nicht auf null. Auch er weiß, dass der Ernstfall nicht komplett planbar ist. "Wir dürfen aber den Kopf nicht in den Sand stecken." Es sei schlimmer keinen Plan zu haben als einen, "der vielleicht zu 70 Prozent funktioniert".

Informationen der Feuerwehr für den Notfall auf mehr.bz/stoerfallfreiburg

Zuletzt geändert am: 25.01.2018 um 10:29:30

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