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Umweltgeschichte(n) von früher und heute Aktionsbündnis News
Veröffentlicht von Administrator (admin) am 27.11.2015
News >> Aktionsbündnis News


Axel Mayer Foto: BUND

Axel Mayer erzählt in Kirchzarten auf Einladung von Nabu und BUND von der Beziehung zwischen Mensch und Natur am Oberrhein.

KIRCHZARTEN (BZ). Die Ortsgruppen von Nabu und BUND hatten zu einem Vortrag in das Gemeindehaus der St. Gallus-Gemeinde in Kirchzarten eingeladen. Karl-Heinz Jung begrüßte die Gäste und den Referenten, BUND-Geschäftsführer Axel Mayer. Wie er darlegte, ist Umweltgeschichte die Geschichte der komplizierten Wechselbeziehung zwischen Mensch und Natur. Sie begann am Oberrhein bereits vor über 700 000 Jahren.

Um das Jahr 1100 gab es laut Mayer erste Erwähnungen des zunehmenden Bergbaus in Kappel bei Freiburg, der zu einer massiven Bleiverseuchung des Bodens führte und erst im Jahr 1954 endete. Der mittelalterliche Bergbau bringt als Spätfolge heute noch Schwermetallbelastungen entlang von Elz, Dreisam und Glotter mit sich. Viele der Zuhörer waren erstaunt, dass es schon im Jahr 1662 Pläne gab, den Rheinfall zu sprengen. Niederländische Kaufleute, die zu dieser Zeit an der verheerenden Abholzung der innerschweizerischen Wälder beteiligt waren, hatten angeboten, den Rheinfall zu eliminieren, damit das Flößerholz hindernislos nach Holland gelangen könnte.

Auch die vielen Kriege am Oberrhein waren ein Thema. Die Grenzregion am Oberrhein war in der europäischen Geschichte immer wieder Kriegsgebiet. Allein zwischen 1630 und 1945 gab es fast keinen Krieg in Europa, in dem nicht auch am Oberrhein gekämpft wurde. Freiburg etwa wurde von 1632 bis 1744 acht Mal belagert und erobert. In diesem Zusammenhang zeigte Mayer an zahlreichen geschichtlichen Beispielen auf, welch sensibler, immer gefährdeter Schatz die badisch-elsässische beziehungsweise deutsch-französische Freundschaft ist.

Schwerpunkt des Abends war allerdings die jüngere Umweltgeschichte. Die erfolgreiche Verhinderung der geplanten Atomkraftwerke in Wyhl, Breisach und im schweizerischen Kaiseraugst liegen fast vier Jahrzehnte zurück. Dass auch im elsässischen Gerstheim ein Akw durch eine Bauplatzbesetzung verhindert wurde, war vielen Zuhörern nicht bekannt. Ob das altersschwache Akw in Fessenheim 2016 tatsächlich abgeschaltet wird, ist offen. Der französische Staatspräsident Hollande hatte die Abschaltung zwar versprochen, doch der Atomkonzern EDF versuche, so Mayer, dies zu verhindern.

Nicht nur die aufgezeigte Geschichte der Atomkraft und des Akw Fessenheim zeigte an diesem Abend, dass die Konflikte für eine bessere Umwelt immer auch mit einem Streit für mehr Freiheit und Demokratie verbunden waren. Der Referent berichtete von zwei verschiedenen Phasen der jüngeren Umweltgeschichte.

Frühes Bekenntnis zu umweltfreundlicher Energie


Nach dem Krieg gab es eine Zeit massiver Umweltvergiftung mit luftverschmutzenden Fabriken, giftschäumenden Flüssen, mit krankmachenden Giften wie Asbest, DDT und Contergan. Eine Zeit, in der nicht nur in Teningen ein Baggersee als Industriemüllkippe missbraucht wurde. Mayer zeigte, dass es nicht nur das wichtige Wyhler "Nai hämmer gsait" zur Atomkraft gab, sondern auch das frühe Ja der Sasbacher Sonnentage zu umweltfreundlichen Formen der Energiegewinnung. Er erinnerte an eine Vielzahl von Demos, Aktionen, Protesten und Infoveranstaltungen und beschrieb Niederlagen und Erfolge. Luft und Wasser seien tatsächlich sauberer geworden. Der Konflikt um das Waldsterben habe zu massiven Senkungen der Schwefelemissionen und anderer Luftschadstoffe geführt. Strom aus Windenergie und Solarkraft sei, zum Entsetzen der Atomlobby, schon billiger als Strom aus neuen Atomkraftwerken. Zur Freude der Naturschützer von Nabu und BUND kommen auch die Lachse zurück in hiesige Bäche und zeigen, dass sich die Wasserqualität verbessert hat.

Heute seien Nachhaltigkeit und Zukunftsfähigkeit die großen, aber weniger spektakulären Themen der Umweltbewegung. Doch zeige auch die jüngere Umweltgeschichte, dass es nicht nur Erfolge gab: Der Flächenverbrauch, der Verlust an Lebensräumen, die "Vermaisung" der Felder und der zunehmende Lärm seien wichtige Themen der Umweltbewegung. Das Artensterben gehe ebenfalls weiter: Feldlerchen und Rebhühner seien in vielen Gebieten der Rheinebene verschwunden. Der große Brachvogel und der Kiebitz stünden vor dem Aussterben. Die erfolgreiche Errichtung eines Nationalparks im Nordschwarzwald war eines der aktuellsten Themen der aufgezeigten regionalen Umweltgeschichte(n).

Zusammenfassend zog Mayer trotz allem ein positives Resümee. Regional habe sich die Umweltsituation stark verbessert, die vielen Aktivitäten hätten sich für Mensch, Natur und Umwelt gelohnt.

Zuletzt geändert am: 27.11.2015 um 11:10:56

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