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von brutto tempo
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Umweltminister irritiert über Fessenheim-Pläne Aktionsbündnis News
Veröffentlicht von Administrator (admin) am 19.02.2015
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Die Fessenheimer Anlage ging 1978 in Betrieb. In dem ältesten Atomkraftwerk Frankreichs kommt es seitdem immer wieder zu Zwischenfällen.

Foto: Archiv/dpa

Von unserem Korrespondenten Michael Schwarz

Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) fordert von der französischen Regierung, das AKW an der Grenze zu Baden-Württemberg wie zugesagt bis Ende 2016 abzuschalten.

Vor zwei Tagen berichteten die Spitzen des französischen Energiebetreiber Électricité de France (EDF) auf der Jahrespressekonferenz über ihre Zukunftspläne. Das älteste der 58 Atomkraftwerke in Frankreich steht in Fessenheim und liegt damit direkt an der Grenze zu Baden-Württemberg. Im Meiler ist es in jüngster Vergangenheit immer wieder zu Störfällen gekommen - und nicht nur Umweltschützer sprechen von einem hohen Sicherheitsrisiko.

Ursprünglich hatte Frankreichs Präsident François Hollande zugesagt, das Fessenheimer AKW Ende 2016 vom Netz zu nehmen. Doch vor zwei Tagen wollte der Staatskonzern EDF davon nichts mehr wissen.

Sicherheitsrisiko

Fessenheims Kraftwerksdirektor Thierry Rosso sprach sogar davon, den Personalbestand aufzustocken und in diesem und im nächsten Jahr zusammen über 100 Millionen Euro in die Anlage am Rhein zu investieren. Das bringt Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) auf die Palme. "Wir sind irritiert über solche Äußerungen", sagt er. "Wir fordern die französische Regierung auf, ihre Zusagen einzuhalten und das Kernkraftwerk in Fessenheim spätestens 2016 vom Netz zu nehmen", so Untersteller weiter. Rosso äußerte sich dem Vernehmen nach jedenfalls nicht über ein mögliches Aus des in die Jahre gekommenen Atomkraftwerks.

Dass zudem Hollande in jüngsten Medienberichten das Abschaltjahr 2016 nicht mehr offiziell bestätigen wollte, bereitet Untersteller Sorge. "Ich hätte mir gewünscht, dass er zu seinen Aussagen steht", sagt der Grünen-Minister. Das Sicherheitsrisiko des Fessenheimer AKWs bezeichnet er als "enorm".

Atomkraftgegner 

Axel Mayer ist Geschäftsführer des Regionalverbands südlicher Oberrhein beim Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND). Der Mann aus dem Schwarzwald setzt sich seit Jahren für ökologische Ziele ein und war schon 1975 bei den erfolgreichen Protesten gegen das geplante Atomkraftwerk im südbadischen Wyhl dabei. Am Ende der Auseinandersetzungen, bei denen der Staat mit Wasserwerfern seine Interessen durchsetzen wollte, hielten die Demonstranten die Oberhand und das AKW wurde nicht gebaut. Seitdem gilt Wyhl als Ursprung der deutschen Anti-AKW-Bewegung.

Auch heute kämpft Mayer noch gegen Atomstrom. Der Widerstand an der deutsch-französischen Grenze sei zu vergleichen mit dem Protest gegen das Endlager Gorleben in den vergangenen Jahrzehnten.

Inzwischen sei die Ablehnung des französischen AKWs auch auf deutscher Seite tief in der Gesellschaft verankert. "Selbst Kommunen, in denen die CDU den Bürgermeister stellt oder im Gemeinderat die Mehrheit hat, haben sich angeschlossen", sagt Mayer. Sie alle versammeln sich im Trinationalen Atomschutzverband (TRAS), in dem sich Städte und Gemeinden aus Frankreich, der Schweiz und Baden-Württemberg dafür einsetzen, Atomkraftwerke abzuschalten.

Der französische Staat hält knapp 85 Prozent der Aktien der EDF. Mayer vermutet, dass sich der Konzern intern gegen die Regierung stellt und die Abschaltpläne Hollandes torpedieren will. "Die EDF ist in Frankreich wie ein Staat im Staate", sagt Mayer.

Energiewende

Zur Wahrheit gehört jedoch auch: Die sozialistische Regierung hat in ihrem Energiewende-Gesetz die Stilllegung von Fessenheim nicht verankert. Grundsätzlich geht es darum, bis zum Jahr 2025 im Land den Anteil der Atomkraft an der Stromproduktion von derzeit 75 auf 50 Prozent zu reduzieren.

Untersteller pocht trotzdem auf das Fessenheim-Aus. Noch im Sommer vergangenen Jahres habe ihm Jean-Louis Bianco, französischer Sonderbeauftragter für internationale Beziehungen, versichert, dass "beide Reaktoren in Fessenheim bis Ende 2016 abgeschaltet werden".

Zuletzt geändert am: 19.02.2015 um 19:58:10

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