News Test

Mahnwache Dreyeckland und Breisachs Bürgermeister begrüßen angekündigte Stilllegung des AKW Fessenheim

>>>weiter lesen

Fessenheim-Betreiber bittet offiziell um Aufhebung der Betriebsgenehmigung

>>>weiter lesen

AKW Fessenheim Am 30. Juni ist Schluss

>>>weiter lesen

Video Clip Fessenheim


von brutto tempo
Informationen

Bookmark and Share

Wie die Fessenheimer ihr Atomkraftwerk retten wollen Aktionsbündnis News
Veröffentlicht von Administrator (admin) am 06.03.2013
News >> Aktionsbündnis News

Badische Zeitung

Ein Gewerkschafter kämpft gegen die Schließung des Akw, ein Beamter dafür – deutsche Aktivisten fürchten die Kehrtwende.

                                         

Der Gewerkschafter: Jean-Luc Cardoso Foto: Thierry Gachon/AFP                Der Abwickler: Francis Rol-Tanguy Foto: AFP ImageForum

Streitbar war Jean-Luc Cardoso schon immer. Aber jetzt nimmt er kein Blatt mehr vor den Mund. "Es wäre eine Dummheit, dieses Atomkraftwerk dichtzumachen!", sagt der 45-Jährige. Seit 1989, mehr als sein halbes Leben, arbeitet er für den französischen Stromkonzern Electricité de France (EDF) im Atomkraftwerk Fessenheim. Inzwischen sitzt der breitschultrige und braungebrannte Mann als Reaktorfahrer in der Schaltzentrale, zugleich ist er Sprecher der linken Gewerkschaft CGT. Sein Hauptargument lautet: "Die französische Atomaufsicht hat uns bestätigt, dass unser Akw sicher ist."

Die Atombehörde hat allerdings – das unterschlägt er – an ihre Laufzeitverlängerung etliche Auflagen geknüpft. Sicherheit ist relativ. Vor allem, wenn man bedenkt, dass die Sockelplatten der beiden Reaktordruckbehälter in Fessenheim mit 1,5 Meter nur halb so dick sind, wie es jene in Fukushima waren. Sie werden nun um einen halben Meter verstärkt. Doch es hilft alles nichts: Bis Ende 2016 will Staatspräsident François Hollande Fessenheim abschalten. Ausgerechnet Fessenheim, das im März 1977 ans Netz gegangen und heute das älteste Kernkraftwerk in Betrieb ist, wird das Faustpfand der französischen Energiewende.

Denn auch in Frankreich bereitet die Regierung einen Kurswechsel in der Energiepolitik vor. Hollande will den Anteil der Atomenergie von 75 auf 50 Prozent zurückfahren. Dafür wird er viele Reaktoren stilllegen müssen, Fessenheim kann nur der Anfang sein. Ende des Jahres soll seine rot-grüne Regierung ein entsprechendes Gesetz vorlegen. Der Karrierebeamte Francis Rol-Tanguy ist mit der Stilllegung in Fessenheim beauftragt.

Jean-Luc Cardoso und die CGT wittern ihre Chance. Mitte Februar, kurz vor Ende der Einspruchsfrist, haben sie vor dem französischen Staatsrat gegen Rol-Tanguys Ernennung geklagt, das bringt Zeit. "Unsere juristischen Berater rechnen sich gute Chancen aus", sagt Cardoso. Man trifft ihn oft in einem Café im Dorf oder vor dem riesigen Parkplatz des Atomkraftwerks. Täglich stellen dort Hunderte Beschäftigte ihre Klein- und Mittelklassewagen in langen Reihen ab, bevor sie mit gezückter Kontrollkarte auf die Eingangsschleuse des Akw zusteuern.

Für EDF arbeiten in Fessenheim 1000 Frauen und Männer, ein Viertel davon stellen Subunternehmer. Aber mindestens das Doppelte an Arbeitsplätzen sei im Falle einer Stilllegung bedroht, warnt Cardoso. Für Akw-Angestellte sei die Aussicht auf eine Schließung gar nicht so katastrophal. "Wir sind alle recht mobil", sagt der Gewerkschafter. Schlimm werde es für die Subunternehmer und für die anderen, die von den Gehältern der Akw-Beschäftigten leben: die Bäcker und Metzger, den Supermarkt am Ortseingang, überhaupt die ganze Gemeinde.

Auf den wenigen Pressefotos, die beim ersten Besuch Rol-Tanguys im Dezember 2012 vor dem Akw im Elsass entstanden sind, stehen sich der wild aussehende Cardoso und der in einen dunklen Wollmantel gehüllte Brillenträger Rol-Tanguy gegenüber. Cardoso und seine Leute haben Hollandes Mann für Fessenheim den Zugang verwehrt. Einige Tage später wählten die Leser einer regionalen Tageszeitung Cardoso zum "Elsässer der Woche". Das sagt einiges aus über das politische Klima im Elsass. Dabei werden dort von der konservativen Regionalregierung durchaus Solaranlagen und Wärmedämmung gefördert. Die Energiewende wird nicht verdammt. Aber warum, fragen sich Regionalpolitiker, soll ausgerechnet Fessenheim den Anfang machen?

Das bürgerliche politische Lager, das mehrheitlich Hollandes Amtsvorgänger Nicolas Sarkozy unterstützt hat, fühlt sich von den in Paris regierenden Sozialisten übergangen. Und für den linken Cardoso ist der Plan politische Willkür. Er stellt die provokante Frage: "Wer würde es wagen, eine Fabrik zu schließen, die 400 Millionen Euro Gewinn pro Jahr macht?"

Die Fessenheimer spielen auf Zeit. Nicht nur, dass gegen Rol-Tanguys Ernennung geklagt wird. Selbst Fessenheims Bürgermeisterin Fabienne Stich wollte den Beamten bislang nicht treffen.

Der angekündigte Ausstieg wird nicht einfach. Das erkennen auch die Atomkraftgegner auf der anderen Seite des Rheins. Im Freiburger Büro des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sitzt Axel Mayer, Geschäftsführer für den Südlichen Oberrhein. Mitte Januar hatte er eine Delegation französischer Umweltverbände zu einem Gespräch mit Rol-Tanguy nach Paris begleitet. Nun sagt er: "Ich bin verunsichert aus der Unterredung zurückgekehrt".

Mayer argumentiert ruhig und kaschiert damit ganz gut, wenn es wie jetzt in ihm brodelt. Seit bald 39 Jahren kämpft der 57-Jährige gegen Atomkraft. Jetzt, da die Abschaltung von Fessenheim eigentlich beschlossen ist, muss er feststellen: "Rol-Tanguy hat nicht ausgeschlossen, dass eine Nachfolgeregierung, den Prozess wieder umkehren könnte." Nun befürchten die, die Fessenheim abschalten wollen, dass das atomare Dorf durch die Verweigerung der Zusammenarbeit das Akw bis zum Ende der Wahlperiode 2016 funktionsfähig hält. "Man müsste die Dinge unumkehrbar machen", fordert Mayer deshalb. Gäbe es in Fessenheim Kühltürme, könnte man diese sprengen.

Am Donnerstag bekommt die elsässische Gemeinde Besuch: Der Beamte Rol-Tanguy wagt einen neuen Versuch.

Zuletzt geändert am: 06.03.2013 um 21:08:03

Zurück zur Übersicht

Kommentare

Kein Kommentar gefunden

Kommentar hinzufügen