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Atomkraftgegner aus der Region gegen neue Pläne für Fessenheim Aktionsbündnis News
Veröffentlicht von Administrator (admin) am 09.09.2020
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Foto: Julius Wilhelm Steckmeister

Das Akw Fessenheim ist abgeschaltet. Künftig will der Konzern EDF auf dem Gelände nukleare Reststoffe verarbeiten – zum Missfallen der Anti-Atom-Bewegung, die ein Protestfest plant.

Von Julius Steckmeister Mo, 07. September 2020 um 19:23 Uhr

 

Mit der Abschaltung des Atomkraftwerks in Fessenheim im Juni schien ein langer Kampf gegen den Betrieb der betagten Anlage ein glückliches Ende gefunden zu haben. Bereits seit geraumer Zeit werkeln Politiker dies- und jenseits des Rheins an einer Nachfolgelösung für die Region, im Gespräch ist ein grenzüberschreitender Gewerbepark. Im August allerdings verkündete der Akw-Betreiber Electricité de France (EDF) seine Pläne, auf dem Areal des Kraftwerks ein nukleares Reststoffverarbeitungszentrum, ein sogenanntes Technocentre, errichten zu wollen.
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Als eine erste gebündelte Reaktion von Atomkraftgegnern, Umweltverbänden sowie Vertretern aus Politik und Kirche wurde die sogenannte Fessenheimer Erklärung veröffentlicht. Sie spricht sich klar gegen das geplante Technocentre und ebenso klar für die Schaffung von "sauberen Arbeitsplätzen" in der Region aus.

Überraschend kommen die Pläne von EDF für die Anti-Akw-Bewegung nicht

Ganz überraschend, sagen einhellig Gustav Rosa und Lucien Jenny, zwei der Urgesteine und Leitfiguren im Kampf für die Abschaltung des Akw in Fessenheim, sei das Festhalten der EDF an den Technocentre-Plänen nicht. Ein – staatlicher – Großkonzern wie die EDF lasse sich die Fäden ungern aus der Hand nehmen. Zudem sitze die Kränkung beim Energieversorger tief, glaubt Lucien Jenny. Der Unternehmer und Gemeinderat aus dem elsässischen Wiedensolen ist Mitglied der Gruppierung Citoyens Vigilantes (CiVi) und seit Jahrzehnten aktiv in der französischen Anti-Akw-Bewegung.

"Ohne den Druck aus Deutschland wäre das Kraftwerk noch lange weitergelaufen", ist Lucien Jenny überzeugt. Auch dies sei Mitursache für ein gewisses Verschnupftsein beim französischen Staatskonzern.

Schon vor etwa zwei Jahren sei die EDF mit der Idee eines Technocentre "vorgeprescht", erinnert sich der Kopf der 2011 ins Leben gerufenen Breisacher Montagsmahnwache für die Abschaltung des Fessenheimer Atomkraftwerks, Gustav Rosa. Allerdings hatte man sich eine deutsche Beteiligung gewünscht, sowohl finanziell als auch bei der Anlieferung von radioaktivem Müll zur Weiterverarbeitung.
 

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Schließlich arbeiteten die Deutschen am Atomausstieg und Material aus geschlossenen Atomkraftwerken falle somit an. Jedoch war aus Deutschland schon damals, von Stuttgart bis Berlin, ein klares Nein zum Technocentre gekommen, die Angelegenheit schien damit vom Tisch. Nun ploppte das Thema wieder auf, "ein Aufschrei" sei durch die gesamte Protestbewegung gegangen, sagt Rosa.

Oberrheingebiet mit vielen Umweltbelastungen

"Das bereits umfangreichen Umweltbelastungen unterliegende Gebiet dies- und jenseits des Oberrheins – Lärm, industrielle Emissionen, Altlasten oder Giftmüll wie in Stocamine – mit seinen so wertvollen Ressourcen Natur, Landschaft und Wasser darf nicht noch weiterem Stress und fortdauernden nuklearen Risiken mit entsprechender Schwerindustrie ausgesetzt werden", fasst Jürgen Hauke zusammen.

Er gehört zum Vorstand der Arbeitsgemeinschaft Umweltschutz (AGUS) Markgräflerland, die zu den Mitunterzeichnern der Fessenheimer Erklärung zählt. "Keine Atomtec in Fessenheim mehr – Achtsames her", reimt Carola Neukirchen von der Gruppe "Stopp Akw Fessenheim sofort" aus Bollschweil, die ebenfalls zu den Unterzeichnern gehört.

Da ein Technocentre im Elsass die Sorge wegen Gesundheitsbedrohung und bekannten Gefahren fortsetzen würde – schon allein wegen der dazugehörigen Castor-Transporte – "tun wir gut daran, fest zu propagieren, dass niemand derlei wirklich will", betont Neukirchen.

Protest-Fest in Breisach geplant

Wirklich gewollt werde indes der deutsch-französische Gewerbepark, betont Rosa. Solange aber das Technocentre im Raum stehe, fänden sich dafür keine Interessenten unter den Unternehmern, befürchtet Jenny. Das Technocentre wäre zudem ein Stachel im Fleisch der deutsch-französischen Zusammenarbeit – am Oberrhein und darüber hinaus, davon sind beide überzeugt. Ebenfalls überzeugt sind beide, dass Widerstand nicht zwecklos ist.

So wird am 14. September um 17 Uhr die 491. Montagmahnwache auf dem Neutorplatz in Breisach unter dem Motto "Kein Technocentre in Fessenheim" stehen.
 

Fotos: Fessenheim – Geschichte des umstrittenen Kernkraftwerks am Rhein

Bei dem unter Corona-Bedingungen geplanten Protest-Fest werden Redner aus Politik und Verbänden erwartet, außerdem wird es ein musikalisches Begleitprogramm mit Protest-Urgesteinen wie dem Liedermacher und Wyhl-Widerständler Roland "Buki" Burkhart geben.

Zuletzt geändert am: 09.09.2020 um 15:01:06

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