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von brutto tempo
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"Nicht mit erhobenem Zeigefinger" Aktionsbündnis News
Veröffentlicht von Administrator (admin) am 09.01.2015
News >> Aktionsbündnis News

Wolfgang Gerbig wagt sich als Liedermacher sowohl an Politisches als auch an Persönliches. Foto: Jacob

BZ-INTERVIEWmit dem Markgräfler Liedermacher Wolfgang Gerbig über die Frage, was politische Lieder bewegen können.

NEUENBURG AM RHEIN. Wenn am kommenden Sonntag vor dem Atomkraftwerk Fessenheim die Veranstaltung Widerstand in Concert über die Bühne geht, wird auch der Markgräfler Liedermacher Wolfgang Gerbig mit von der Partie sein. Mit ihm sprach Julia Jacob über die Kraft des gesungenen Wortes, musikalische Vorbilder und die Liedermacher-Szene in der Region.

BZ: Die Liedermacher-Szene ist in Deutschland mit der Anti-Atom-Bewegung groß geworden. Auch Sie reihen sich mit Ihrem Auftritt am Sonntag in diese Tradition ein. Was macht den Reiz dieser Kunstform für Sie aus?

Gerbig: Ich würde mich nicht unbedingt als klassischen Liedermacher bezeichnen. Meine Texte sind nicht nur politisch, sondern auch gesellschafts- und sozialkritisch. Andererseits verarbeite ich auch meine eigene Biographie in meinen Liedern. Kurz: Ich schreibe Lieder über Themen, die mich bewegen. Dazu zählt auch das Atomkraftwerk in Fessenheim, das nicht nur für mich, sondern für viele Menschen in der Region eine Gefahr darstellt.

BZ: Welche Rolle hat die Anti-Atombewegung in Wyhl für Sie gespielt?

Gerbig: Das war leider vor meiner Zeit, allerdings habe ich den Liedermacher Walter Moosmann, der dem Widerstand gegen den Bau eines Atommeilers am Kaiserstuhl mit seinen Liedern eine Stimme verliehen hat, noch kennengelernt.

BZ: Glauben Sie, dass Lieder etwas bewegen können?

Gerbig: Ein Schlüsselerlebnis war für mich ein Auftritt, den ich auf dem Stühlinger Kirchplatz in Freiburg kurz nach der Atomkatastrophe von Fukushima hatte. Während ich gespielt habe, habe ich gemerkt, wie einige im Publikum in sich gegangen sind, manche haben auch mitgesungen. Das war ein bewegender Moment. Ich habe für mich aber auch festgestellt, dass man nicht den moralischen Zeigefinger heben darf. Es geht nicht darum, zu sagen: So muss es laufen. Ich will beschreiben, was ich wahrnehme und was die Menschen in ihrem Leben anspricht. In der Situation nach Fukushima waren die Menschen hier in der Region schockiert und in Sorge und das habe ich aufgegriffen. Grundsätzlich suche ich mir Themen, die etwas mit meiner Lebensrealität zu tun haben. Auch wenn ich mich daran störe, würde ich jetzt nicht über die Anti-Islambewegung Pegida singen.

BZ: Wie sind Sie zum Liedermachen gekommen?

Gerbig: Schon zu Schulzeiten habe ich mich mit Liedern von Hannes Wader entspannt. Sein Liederbuch habe ich hoch und runter gespielt. Heute ist es schon ganz zerfleddert, aber ich habe es noch. Später während meines Studiums in Freiburg, das war in den 80er-Jahren, gab es den Folk- und Blues-Club zu dem auch der Fuchsbau gehörte. Dort habe ich auf der offenen Bühne ein paar Jahre mitgemacht. Als das Jazzhaus kam, ist die Szene dann aber so nach und nach weggebröckelt. Dazu muss man allerdings sagen, dass Freiburg und Südbaden überhaupt nie eine Hochburg für Liedermacher war. Nach dem Einbruch, den die Szene allerorts Ende der 80er-Jahre erlebt hat, sind eigentlich nur die Urgesteine übrig geblieben.

BZ: Welche Liedermacher-Urgesteine zählen zu ihren musikalischen Vorbildern?

Gerbig: Sehr beeindruckt hat mich die Begegnung mit Franz-Josef Degenhardt. Mit seinem Sohn Jan und anderen haben Musikern habe ich 1989 das Programm von Heine bis Heute auf die Bühne gebracht. Damals wurde ich auch mal zu Franz-Josef Degenhardt nach Hause eingeladen. Abends hat er mir auf die Schulter geklopft und so was gesagt wie ’weiter machen, gut so’. Das hat mich sehr ergriffen und war in meinem Leben als Liedermacher sicherlich ein einschneidendes Erlebnis.

BZ: Wo findet ein Mann mit seiner Gitarre heute sein Forum, abgesehen von Protestkundgebungen?

Gerbig: Ich habe in letzter Zeit viel über die Liedermacher-Szene recherchiert. Berlin ist eine gute Anlaufstelle, Dresden auch. In Südbaden hingegen gibt es relativ wenig. Ich bin hier bislang eigentlich nur auf zwei Musiker gestoßen, die bereits eine CD aufgenommen haben. Eine richtige Szene gibt es meiner Ansicht nach nicht, die meisten Musiker dieses Genres bleiben etwas im Verborgenen. Das würde ich gerne ändern. Ich würde gerne ein kleines Liedermacher-Festival in der Region etablieren.

BZ: Heute spricht kaum mehr jemand von Liedermachern. Der Begriff Singer-Songwriter ist an seine Stelle gerückt. Wo ordnen Sie sich ein?

Gerbig: Das Singer-Songwritergenre ist die amerikanische Variante des Liedermachers, wenn man so will. Es ist nicht unbedingt politisch, aber durchaus gesellschaftskritisch. Auch ich verarbeite in meiner Musik verschiedene Einflüsse und bin nicht zwangsläufig politisch. Trotzdem bezeichne ich mich gerne als Liedermacher.

Wolfgang Gerbig (55), Leiter des Neuenburger Kinder- und Jugendbüros, ist der Liedermacher Woger. Mehr unter http://www.woger.eu oder http://www.facebook.com/wo.ger.7

Zuletzt geändert am: 09.01.2015 um 09:00:57

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