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Von Gerhard Walser

Die Katastrophe von Fukushima im März 2011 hat der Anti-Akw-Bewegung kräftigen Aufwind gegeben. Drei Männer, die einst gegen das geplante Kraftwerk in Wyhl protestierten, blicken zurück.

  • Der Reaktorunfall im japanischen Atomkraftwerk Fukushima vor zehn Jahren hat auch den regionalen Protest gegen die Kernkraft verstärkt und ein Umdenken eingeleitet. Die Wyhl-Veteranen Günter Richter, Erhard Schulz und Axel Mayer erinnern sich daran, wie sie die Reaktorkatastrophe selbst erlebt haben und welche Konsequenzen daraus für den Atomausstieg und die Energie- und Klimapolitik gezogen wurden.
 
BZ: Wie und wo haben Sie den Unfall in Fukushima am 11. März 2011 erlebt?
Mayer: Mitten in der Endplanung der 45 Kilometer langen Menschenkette vom AKW Neckarwestheim nach Stuttgart. Der von CDU, CSU und FDP geplante Ausstieg aus dem versprochenen Atomausstieg hatte bundesweit die Umweltbewegung aktiviert. Und dann kam noch Fukushima. In einer Hochphase der Mobilisierung verstärkte der Atomunfall unsere Aktivitäten.
Der Ökumenische Gedenkgottesdienst am Ostersonntag wurde umgehend ergänzt: Fukushima/Japan – Die radioaktiven Folgen bedrohen die Schöpfung. Gedenken Sie mit uns der Opfer. Das Kreuz mit der Inschrift "Wo die Schöpfung gefährdet wird, wird Gott gekreuzigt" vom ehemals geplanten Bauplatz in Wyhl wurde in das Freiburger Münster getragen.
Richter: Wir waren in jenen Tagen zu einer einwöchigen Visite auf Zypern. Wir hatten ein kleines hübsches Zimmer in einem Hotel mit TV und gemütlicher Sofaecke. Plötzlich sahen wir nach dem Frühstück die Eilmeldung vom verheerenden Tsunami, der sich breit in die küstennahe Landschaft von Fukushima hineinzufressen schien und – wie wir später erfuhren – zehntausenden Menschen das Leben nahm und die verheerende Kernschmelze im Reaktor verursachte. Schockiert und fassungslos saßen wir in unseren Sesseln und konnten nicht glauben, was wir da sahen.

BZ: Was kam Ihnen damals spontan in den Sinn – etwa: Ist das jetzt Ende der Kernkraft?
Mayer: Ich dachte: die armen Menschen. Hoffentlich weht der Wind die Radioaktivität der ersten Tage aufs Meer und nicht in den 240 Kilometer entfernten Großraum Tokio mit seinen 38 Millionen Menschen. Dass es dann tatsächlich so kam, war das große Glück im Unglück.

Schulz: Ich kann mich deshalb noch gut erinnern, weil ich genau in dieser Zeit für die Badisch-Elsässischen Bürgerinitiativen mit der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen Freiburg eine große Gedenkveranstaltung zum 25. Jahrestag des Atomreaktorunfalls in Tschernobyl für Ostermontag im Freiburger Münster organisierte. Die Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe in der Region Fukushima berührte mich sehr stark, da ich häufig in Japan zu Vorträgen über die Nutzung regenerativer Energien weilte. In dem hochtechnisierten Japan, wo ich während meiner Aufenthalte auch häufig Erdbeben erlebte, empfand ich es als kaum vorstellbar, dass eine Tsunami-Welle zu einer Zerstörung eines Atomkraftwerkes und der Freisetzung von großen Mengen an Radioaktivität in die Umwelt erfolgen kann.
Schulz: Wir müssen diese leidvolle Katastrophe in Japan sowohl in den Ökumenischen Gedenkgottesdienst einbeziehen, aber auch in das Bewusstsein unserer Mitbürgerinnen und Mitbürger in Deutschland unauslöschbar verankern, dass die lebensgefährdende Atomenergie keine Zukunftschance hat. Nach der Tschernobyl-Katastrophe wurde uns in Deutschland wohl der Atomenergie-Ausstieg halbherzig in Aussicht gestellt, aber blieb in weiter Ferne. Die Fukushima-Katastrophe ereignete sich nun aber in einem hochindustrialisierten westlichen Land. Die Politik muss umgehend den Atomausstieg fixieren, denn es gibt keine Ausreden mehr.

Richter: Hinsichtlich dieser Folgen halte ich eine atomare Energiegewinnung geradezu für unverantwortlich und im Widerspruch zum biblischen Auftrag, Gottes Schöpfung zu bewahren. Man kann unseren politischen Instanzen, unter anderem der Bundeskanzlerin, nicht genug dankbar sein, wie sie auf die Katastrophe reagierten und den Ausstieg aus der atomaren Energieerzeugung einleiteten.
 
  • Günter Richter (87) ist evangelischer Pfarrer im Ruhestand und lebt in Emmendingen. Er hat als Weisweiler Pfarrer den Konflikt um das geplante Atomkraftwerk Wyhl mit befriedet.
    Axel Mayer, Kreisrat der Grünen aus Endingen, wurde 1955 geboren und ist seit der Bauplatzbesetzung gegen ein Bleichemiewerk in Marckolsheim 1974 in der grenzüberschreitenden Umweltschutzbewegung aktiv.
    Erhard Schulz (76) aus Emmendingen ist Mitglied im Sprecherkreis der Badische-Elsässischen Bürgerinitiativen und hat die Platzbesetzung in Wyhl an vorderster Front erlebt. Heute engagiert er sich für die Energiewende und den Bau von Windkraftanlagen.
 
Erhard Schulz (Foto: Privat)
Günter Richter (Foto: Benedikt Sommer)
Axel Mayer (Foto: Privat)
 
BZ: Was bedeutete der Unfall in Japan für die Anti-Kernkraft-Bewegung vor Ort?
Mayer: Der Unfall bestätigte nach Tschernobyl erneut unsere alten Befürchtungen und Aussagen. Noch zur Zeit des Wyhl-Konflikts sagten die Pro-Atombroschüren des Badenwerks, dass, wenn die "Vormenschenaffen im Alt-Tertiär vor 50 Millionen Jahren 20 AKW gebaut und seither betrieben hätten, es eventuell ein einziges mal zu einem solchen Unfall gekommen wäre". Es ist schrecklich, wie häufig die Umweltbewegung mit ihrer anfangs immer bekämpften und verlachten Kritik recht behalten hat.

Schulz: Mit Veranstaltungen zum tödlichen Gefährdungspotential der Atomenergie und konstruktiven Beispielen zum persönlichen Engagement in Solar- und Windenergieprojekten wurde die "Energiewende von unten" vorangetrieben. Sehr gut besuchte Informationsveranstaltungen und Fachexkursionen sorgten in der Bevölkerung für einen erfreulichen Schub bei Solardächern und Beteiligungen an Bürgerwind-Energieanlagen. Ich selbst erhielt von der Demokratischen Japanischen Ärztevereinigung zum ersten Jahrestag der Atomreaktorkatastrophe eine Einladung nach Tokio und Fukushima, sprach dort in einem Park vor 10.000 Bürgerinnen und Bürgern und hatte Gespräche mit Landwirten, deren Felder und Wälder radioaktiv kontaminiert wurden. Über diesen Erfahrungen und den in Deutschland wenig bekannten Heimatverlust vieler japanischen Familien berichtete ich in zahlreichen öffentlichen Veranstaltungen.

Richter: Damit wurde verantwortliches Handeln mit der großen Chance für eine Umsetzung einer zukunftsfähigen alternativen Energiegewinnung verbunden.

BZ: Inwieweit hat Fukushima das Ende von Fessenheim beflügelt?
Mayer: Die Atomunfälle in Tschernobyl und Fukushima haben weltweit und regional den Protest verstärkt, ein Umdenken eingeleitet und die mächtige Atomlobby kurzfristig in die Defensive gedrängt. Neben den Alterungserscheinungen und massiven technischen Problemen in Fessenheim war der erstarkte regionale Protest, gerade auch im Elsass, ein zentraler Grund für die Abschaltung.

Schulz: Die Erdbebenkatastrophe bei Fukushima hat jetzt das gewaltige Erdbeben von Basel im Jahr 1556 voll in Erinnerung gerufen. Die gut dokumentierten historischen Berichte über die Folgen im Rheintal und das Engagement Schweizer Umweltschützer in der grenzüberschreitenden TRAS waren nun endlich das unwiederbringliche Aus für die maroden Reaktorblöcke in Fessenheim.
 
Richter: In der Gemengelage heutiger Energiediskussionen hat die atomare Energieerzeugung keine Zukunftsperspektive. Sie ist nicht nur gefährlich, sie ist auch teuer, unflexibel und zu wuchtig. Allein die Sonnen- und Windenergie decken heute schon einen Großteil des Strombedarfs. Die Lichter gehen nicht mehr aus, wenn AKW nicht gebaut oder stillgelegt werden.

BZ: Der Ausstieg aus der Kernkraft hat Konsequenzen für die Förderung alternativen Energien. Wo sehen Sie das größte Potenzial, wo gibt es Hemmnisse?
Mayer: Der große Erfolg der Umweltaktivisten am Oberrhein war nicht nur das Nein zur Atomkraft, sondern das frühe, aktive Ja zu den umweltfreundlichen Alternativen. Auch hier hat sich eine alte Hoffnung erfüllt. Strom aus Wind und Sonne ist schon lange günstiger als Strom aus neuen Atomkraftwerken. Die größten Hemmnisse sind die geschickt und verdeckt agierenden Atom- und Kohlelobbyisten, die aktiv die Energiewende, Energiespeicher und die Erneuerbaren Energien bekämpfen.

Schulz: Die Windenergienutzung kann in Deutschland mehr als 60 Prozent des Strombedarfs decken und in Baden-Württemberg wären gut 50 Prozent möglich. Die Bürger sind sehr interessiert, sich finanziell zu engagieren. Aber die Bremser sitzen auch als Beamte noch immer im Umweltministerium sowie in untergeordneten Institutionen. Mit vorgeschoben und kaum begründeten Argumenten zum Schutz von Rotmilanen, Auerhühnern oder Wespenbussarden werden Genehmigungsverfahren für Neuanlagen und Repoweringmaßnahmen in die Länge gezogen. In Baden-Württemberg wurden im Jahr 2020 leider nur zwölf neue Windenergieanlagen in Betrieb genommen. Für den Klimaschutz ist dies ein schreckliches Fiasko. Die Landesregierung hatte sich zum Ziel gesetzt, jährlich 100 Windenergieanlagen zu errichten.

Richter: Wichtig ist heute, wie wir auf dieser Erde das Leben lebensfähig halten. Gibt es Chancen einer verträglichen Temperatursteuerung, schaffen wir den Weg hin zu einer ausgewogenen Klimagerechtigkeit, können wir noch retten, was zu retten ist? Hier sind unsere Gedanken und Kräfte dringend gefordert. Und ganz klar: Das dürfen wir nicht der jungen Generation allein überlassen, die uns mit Recht mit ihren Fridays-for-Future-Protesten dafür auf die Anklagebank bringt.
 
BZ: Braucht es zehn Jahre nach Fukushima weiterhin Protestaktionen?
Mayer: In der Menschheitsgeschichte hat sich Vernunft nicht immer dauerhaft durchgesetzt. Fessenheim bleibt auf Jahre eine Gefahr. Und im 69 Kilometer von Emmendingen entfernten Schweizer Beznau strahlt das älteste AKW der Welt. Lobbygruppen arbeiten aktiv an der Gefahrzeitverlängerung der letzten AKW in Deutschland und Atomkraft wird mit vorgeschobenen Argumenten wieder einmal grüngewaschen. Fukushima hat gezeigt, wie gefährlich Atomkraftwerke sind. Die weltweite Verbreitung von Atomwaffen durch den Bau von AKW ist noch gefährlicher und ein globales Selbstmordprogramm. Der Kampf um Nachhaltigkeit, Frieden, Klima- und Artenschutz steht erst am Anfang. Der Atomprotest war und ist auch in Zukunft ein Teil dieser Kämpfe.

Schulz: Ja, Proteste sind weiterhin dringend notwendig, damit der trägen politischen Entscheidungsfindung Beine gemacht werden. Auch sprechen schon wieder einige Ewiggestrige von einer möglichen Renaissance der Atomenergie.

Richter: Die leidenschaftlichen Proteste gegen den weiteren Betrieb von Fessenheim verlieren ihren Sinn und ihre Notwendigkeit. Die alten Fragen hinsichtlich der Energieerzeugung der Wyhl-Zeit sind passé. Dennoch hat sich aller Einsatz gelohnt. Nun weiter so zu den neuen Fragen des Lebens, besser des Überlebens.

Von Christian Geinitz und Niklas Záboji

Europas erstes Mini-Atomkraftwerk soll in Estland stehen. Die Pläne sind erst wenige Wochen alt und haben die Fachwelt aufhorchen lassen. Geplant ist ein „Small Modular Reactor“ (SMR) mit deutlich geringerer Leistung als gewöhnliche Reaktoren. Er soll in 10 bis 15 Jahren ans Netz gehen.

Die estnische Regierung steht hinter dem Vorhaben, geht es doch auch darum, in Zukunft unabhängig zu sein von russischem Öl und Gas – und sich nicht vollständig auf die schwankende Verfügbarkeit von Wind und Sonne zu verlassen. Die passende Studie für die Lagerung des Atommülls hat die Projektgesellschaft Fermi Energia schon anfertigen lassen.

Auch in anderen Ländern reifen die Pläne für modulare Mini-Reaktoren. Die Internationale Atomenergie-Agentur berichtet von einem wachsenden Interesse und zählt 50 Projekte. SMR könnten die Atomkraft revolutionieren, glauben ihre Befürworter.

Die Idee sei zwar alles andere als neu, hieß es im letzten Sachstandsbericht des Weltklimarats, doch böten jüngste Projekte dank der geringeren Leistungsdichte, Wärmeleistung und Wärmeabfuhr der Mini-Reaktoren „das Potential für eine verbesserte Sicherheit“. Zudem ermögliche die modulare Bauweise Einsparungen bei der Fertigung und spätere Erweiterungen. Maximal 0,3 Gigawatt Leistung haben SMR qua Definition.

Zum Vergleich: Klassische Kraftwerke wie Leichtwasserreaktoren kommen auf 1 Gigawatt und mehr.

Praktisch CO2-frei und rund um die Uhr verfügbar

Blickt man auf die Weltkarte, haben aber selbst diese nicht ausgedient. Galt die Kernenergie in den neunziger und nuller Jahren als Auslaufmodell, ist seit einigen Jahren ein wachsendes politisches Interesse zu verzeichnen. Schon ist von einer „Atomrenaissance“ die Rede. Das liegt vor allem an dem verstärkten Bemühen um schnellen Klimaschutz. „Die wachsende Nachfrage nach Strom, Energiediversifikation und Klimaschutz motiviert den Bau neuer Kernreaktoren“, schreibt der Weltklimarat.

Zwar gebe es nach wie vor Risiken im Betrieb, beim Uranabbau und in der Endlagerung sowie Bedenken in der Bevölkerung und hinsichtlich der Verbreitung von Kernwaffen. Doch seien neue Brennstoffkreisläufe und Reaktortechnologien, die einige dieser Probleme angehen, in der Entwicklung und Fortschritte in Bezug auf Sicherheit und Abfallentsorgung erzielt worden.

Bild: F.A.Z.

Da praktisch CO2-frei und rund um die Uhr verfügbar, betrachten viele Länder Atomkraftwerke als teure, aber wichtige Ergänzung zum Ausbau der Erneuerbaren – vorneweg die Vereinigten Staaten, wo nach Zahlen der Atomenergie-Agentur mit Abstand die meisten Kraftwerke stehen. Mit insgesamt 97 Gigawatt Leistung könnten sie Deutschland theoretisch rund um die Uhr mit Strom versorgen.

Werden alle laufenden Vorhaben wie geplant umgesetzt, wird sich die installierte Leistung aller Atomkraftwerke auf der Welt bis zum Jahr 2030 um mehr als 10 Prozent erhöhen. Vor allem China verzeichnet eine rege Bauaktivität. Aber auch in Europa wird gebaut. Trotz Verzögerungen und Kostensteigerungen halten die Briten an der Erweiterung von Hinkley Point fest. In Frankreich schreitet der Bau des Druckwasserreaktors in Flamanville voran, auch wenn es seit Jahren Streit darum gibt. Die Kernkraft wird dort bis auf weiteres als unverzichtbar eingestuft. Mit 40 Prozent ist sie im französischen Energiemix eine wichtigere Quelle als Öl.

In der Türkei wurde am Mittwoch der Grundstein für den Bau des dritten von vier geplante Blöcken des Atomkraftwerks Akkuyu im Südosten des Landes gelegt. Der erste Reaktor der von Russland gelieferten Anlage soll im Jahr 2023 in Betrieb gehen. Die Zeremonie wurde von den Präsidenten Russlands, Wladimir Putin, und der Türkei, Recep Tayyip Erdogan, per Video begleitet.

Magere Bilanz des deutschen Atomausstiegs

In Deutschland ist das Bild ein völlig anderes. Seit dem Unfall von Fukushima vor zehn Jahren und der Rücknahme der Laufzeitverlängerung haben die deutschen Energieversorger elf Kernkraftwerke abgeschaltet. Bis Ende nächsten Jahres werden die restlichen sechs vom Netz genommen. Somit hat sich seit dem Jahr 2011 der Anteil des Atomenergie am Strommix auf 11 Prozent halbiert.

Gestiegen ist im Gegenzug der Anteil der Erneuerbaren von 17 auf 45 Prozent. Da diese in Deutschland aber nicht rund um die Uhr zur Verfügung stehen, ist Erdgas im deutschen Strommix ebenfalls wichtiger geworden. Auch Kohleverstromer haben profitiert. Selbst die Agora Energiewende als zutiefst ökostromfreundliche Einrichtung gesteht zu: „Wären die Atomkraftwerke 2011 am Netz geblieben und gleichzeitig die erneuerbaren Energien weiter ausgebaut worden, wären die Kohleverstromung und damit die CO2-Emissionen früher gesunken.“

Aus Sicht deutscher Verbraucher ist die Bilanz ebenfalls mager. Die Preise für Beschaffung, Marge und Vertrieb von Strom sind seit dem Jahr 2011 zwar gesunken. Doch Netzentgelte, Steuern und Abgaben haben die Endkundenpreise enorm in die Höhe getrieben – vor allem die Umlage gemäß dem Erneuerbaren-Energien-Gesetz (EEG) zur Finanzierung des Ökostroms. Sie ist in den vergangenen zehn Jahren nominal um 86 Prozent nach oben geschnellt. Für Haushaltskunden beträgt das Plus im Strompreis seit dem Jahr 2011 nominal 21 Prozent. Indirekt kann auch das als eine Folge des Atomausstiegs gelten.

Künftig Atom- und Kohleausstieg zu kompensieren wird nur mit einem massiven Ausbau der Erneuerbaren gelingen. Doch gibt es dagegen große Widerstände. Neue Windkraftanlagen an Land scheitern an Protesten von Anwohnern und Umweltschützern. Ähnliches gilt für den Bau der Stromtrassen. Zugleich stecken Speicherverfahren noch in den Kinderschuhen.

Doch eine Renaissance der Kernkraft erscheint in Deutschland politisch nicht durchsetzbar. Die Vorbehalte in der Bevölkerung gelten als unüberwindbar. Als die konservative Werteunion in der CDU vor zwei Jahren noch einmal eine Laufzeitverlängerung forderte, ließ die Kritik aus den eigenen Reihen nicht lange auf sich warten.

Von: Micha
 

Laut einer aktuellen Umfrage befürwortet die Mehrheit der Überlebenden des Reaktorunfalls in Fukushima vor 10 Jahren Japans Ausstieg aus der Atomenergie.

Etwa 30 Prozent der für die Umfrage befragten Personen befürworten einen sofortigen Ausstieg, 52 Prozent einen schrittweisen Ausstieg.

Nur geringer Prozentsatz der Überlebenden hält Atomkraft für wichtig

Die Umfrage, die im November in den drei von der Katastrophe am stärksten betroffenen Präfekturen Iwate, Miyagi und Fukushima durchgeführt wurde, ergab, dass nur 15 Prozent für den Betrieb von Atomreaktoren in Japan sind.

Aufgeschlüsselt nach Präfekturen sprachen sich 40 Prozent der Befragten in Fukushima für einen sofortigen Ausstieg aus der Atomenergie aus, mehr als 27 Prozent in Iwate und 24 Prozent in Miyagi.

Nach dem Erdbeben der Stärke 9.0 kam es infolgedessen am 11. März 2011 zu einem Tsunami, der eine Kernschmelze im Atomkraftwerk Fukushima Daiichi auslöste. Der schlimmste Atomunfall seit Tschernobyl 1986.

Einige Atomreaktoren wieder in Betrieb

Die Arbeiten am Kraftwerk erweisen sich weiterhin als schwierig und für einige Gebiete rund um das Kraftwerk gelten immer noch Evakuierungsanordnungen. Alle Atomreaktoren in Japan wurden nach der Atomkrise gestoppt, mittlerweile haben einige in den letzten Jahren den Betrieb unter strengeren Sicherheitsvorschriften wieder aufgenommen.

Die japanische Regierung strebt an, dass erneuerbare Energien bis zum Jahr 2050 bis zu 50-60 Prozent der gesamten Elektrizität ausmachen, während sie sich auf 30-40 Prozent aus Wärmekraft und Kernenergie stützt.

Von Thorsten Knuf

Zehn Jahre nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima wollen Bundesregierung und Stromkonzerne die Altlasten des Atomausstiegs beseitigen. Ein guter Zeitpunkt, um nach vorne zu blicken.

Kommende Woche jährt sich zum zehnten Mal die Nuklearkatastrophe von Fukushima. Die Vorgänge in Japan ebneten ehedem den Weg für den Atomausstieg in Deutschland. Jetzt machen sich Bundesregierung und Stromkonzerne daran, eine der letzten politischen Altlasten dieser Beschlüsse zu beseitigen. Der Staat zahlt den Kraftwerksbetreibern EnBW, Eon, RWE und Vattenfall insgesamt 2,4 Milliarden Euro. Im Gegenzug ziehen die Unternehmen sämtliche Klagen gegen den Staat zurück. Es mag Zufall sein, dass die Einigung kurz vor dem Fukushima-Jahrestag zustande kommt. Unabhängig davon ist das für alle Beteiligten ein guter Zeitpunkt, um Rechtsfrieden herzustellen und nach vorn zu blicken. Der Staat hat das Gefühl, bei dem Deal recht günstig wegzukommen. Den Betrag, den er den Unternehmen überweist, ist viel geringer als die Summen, die in Rechtsstreitigkeiten zur Debatte stehen. Und die Unternehmen haben Besseres zu tun, als die Kämpfe der Vergangenheit fortzusetzen. Die letzten Meiler sollen bis Ende 2022 vom Netz gehen. Danach beginnt die lange Phase des Rückbaus.

Alle deutschen Stromkonzerne haben sich der Energiewende verschrieben. Wer beim Kunden mit grünem Strom punkten will, sollte nicht über Jahre hinweg um Atom-Milliarden feilschen.

Es gibt dennoch immer noch Leute, die von einer Renaissance der Atomkraft träumen. Das ist eine Illusion. Ein heimisches Unternehmen, das bereit wäre, erneut in diese teure, risikoreiche Technologie zu investieren, ist nicht in Sicht.

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vonJulia Cuprakowa
 

Das Kernkraftwerk in Neckarwestheim II soll bis Ende 2022 in Betrieb bleiben und das trotz schadhaften Rohren. Nun fordert ein Gutachter die sofortige Abschaltung des Atomkraftwerkes bei Heilbronn.

Am 11. März jährt sich zum zehnten Mal die Nuklearkatastrophe von Fukushima. Vor zehn Jahren kam es nach einem Erdbeben und dem anschließenden Tsunami im japanischen Atomkraftwerk Fukushima zur Kernschmelze. Die Bundesregierung beschloss daraufhin, alle deutschen Kernkraftwerke bis 2022 stillzulegen. Die Kernkraftwerke Neckarwestheim I (Landkreis Heilbronn) sowie Philippsburg I und II wurden bereits abgeschaltet. Der zweite Block in Neckarwestheim darf bis Ende 2022 noch Strom liefern und das, obwohl man bei einer Überprüfung Schäden an den Rohren festgestellt hat. Dabei handelte es sich um Korrosionsschäden an Rohren von zwei Dampferzeugern des Kernkraftwerks Neckarwestheim II.

An sieben weiteren Rohren wurden Risse festgestellt, wie das Umweltministerium in Stuttgart damals mitteilte. Sie wurden verschlossen und außer Betrieb genommen. Außerdem gab es noch 19 nicht registrierpflichtige kleinere Löcher an Rohren aller vier Dampferzeuger. Im Vergleich zu den Vorjahren gab es weniger Beanstandungen. Auch die Tiefe und Länge der Korrosionsschäden sei deutlich geringer als in den Vorjahren. 2018 gab es 191 beanstandete Rohre, 2019 waren es 101 Rohre, wie die Deutsche Presse-Agentur berichtete. Und genau diese Schäden machen einem Gutachter jetzt große Sorgen. Doch gibt es einen aktuellen Anlass zu Sorge? Wie echo24.de bereits berichtete, gab es im Februar dieses Jahres einen Vorfall, bei dem radioaktives Wasser aus einem Rohr des Kernkraftwerks in Neckarwestheim ausgetreten ist.

Atomkraftwerk Neckarwestheim II: Gutachter mit Schock-Prognose - Sicherheit nicht garantiert

Der ehemalige Leiter der Abteilung „Sicherheit kerntechnischer Einrichtungen“ im Bundesumweltministerium, Dieter Majer, verfasste zuletzt ein Gutachten über das Atomkraftwerk Neckarwestheim II. Darin warnt Majer eindringlich vor Schäden an den Rohren, die radioaktives und unter extrem hohen Druck stehendes Wasser führen. Laut SWR seien diese Schäden bereits im Jahr 2018 als „interkristalline Spannungsrisskorrosion“ eingeschätzt worden.

Und gerade für diese sogenannte Spannungskorrosion sei es charakteristisch, nicht vorhersagen zu können, wann ein Rohr tatsächlich zu brechen droht. Wie der SWR weiter berichtet, kam das Umweltministerium nach einer Prüfung jedoch kürzlich zu einem anderen Ergebnis. Konkret heißt das: Es gäbe im Atomkraftwerk Neckarwestheim II keine Sicherheitsbedenken. Denn falls diese Rohre wirklich kaputtgehen sollten, dann gebe es zuerst ein kleines Leck, aus dem radioaktives Wasser austreten würde. Dies würden Sensoren erkennen und das Kraftwerk könne kontrolliert abgeschaltet werden.

Das sieht der pensionierte Kraftwerksexperte Majer ganz anders. Das Umweltministerium beziehe sich auf Gutachten, die nicht nachweisen könnten, dass die „Voraussetzung der Kerntechnischen Regeln“ gegeben sind. Im Klartext: Alle herangezogenen Gutachten können keine Sicherheit garantieren. Es sei nicht erweisen, dass die beschädigten Rohre zunächst zu lecken anfangen, bevor es zu einem plötzlichen Bruch kommt. Was würde aber passieren, wenn so ein Rohr mit radioaktivem Wasser tatsächlich brechen würde?

Atomkraftwerk Neckarwestheim II: Rohrbruch könnte schwerwiegende Folgen haben

Sollte es zu einem Rohrbruch kommen, würde eine größere Menge Radioaktivität in die Umwelt gelangen. „Wenn wir einen totalen Rohrabriss haben, dann haben wir einen massiven Übertritt vom Primärkreis, der hoch radioaktiv ist zum Sekundärkreis, der nicht radioaktiv sein darf, weil von dort nach außen Öffnungen bestehen“, erklärt Dieter Majer und fordert gleichzeitig die sofortige Abschaltung des Atomkraftwerks Neckarwestheim II.

von Axel Mayer

Fukushima: 10 Jahre nach dem Atomunfall - Was haben wir daraus gelernt?


Vor 10 Jahren, am 11. März 2011 begann mit dem Tōhoku-Erdbeben die Atomkatastrophe von Fukushima. In vier der sechs Reaktorblöcke gab es extrem schwere Unfallabläufe, teilweise mit Kernschmelzen und ein massives Entweichen von Radioaktivität. Es war einer dieser typischen schweren Atomunfälle, ein Katastrophenablauf, mit dem die Betreiber im Vorfeld nicht gerechnet hatten. Glück im Unglück war ein gnädiger Wind, der in den Anfangstagen die extreme Radioaktivität aufs Meer hinaustrug und nicht in die nahe Metropolregion Tokio mit ihren 37 Millionen Menschen.
Wenige Monate nach den Kernschmelzen in den Atomanlagen von Fukushima Daiichi trafen der Betreiber Tepco, und die japanische Regierung die Vereinbarung den geschmolzenen Kernbrennstoff binnen eines Jahrzehnts aus den zerstörten Meilern zu bergen, doch wie so viele Versprechungen des japanischen atomaren Dorfes ist dies nicht geschehen. Erfolgreich war allerdings die Nach-Unfall-Propaganda, die heute Krisenkommunikation genannt wird.

Die Atomunfälle von Fukushima und Tschernobyl kamen viele Millionen Jahre zu früh. In einer bundesweit verteilten Broschüre der deutschen Atomkonzerne stand sinngemäß: "Wenn die Vormenschenaffen im Alt-Tertiär vor 50 Millionen Jahren 20 Kernkraftwerke gebaut und seither betrieben hätten, dann hätte man einen solchen Unfall mit Kernschmelze und Freisetzung von Radioaktivität vielleicht einmal registrieren können".(*) Die alten falschen Versprechungen von der hundert Prozent sicheren Atomkraft aus den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts werden auch 2021 wieder gemacht...

Die internationale Atomlobby war nach Fukushima und Tschernobyl für kurze Zeit ein wenig in Deckung gegangen. Aufgegeben hat sie ihr profitables Geschäft nicht. Das globale atomare Dorf, die alten mächtigen Seilschaften und reichen rechts-libertären Netzwerke aus Konzernen & Lobbyisten funktionieren immer noch. Gemeinsam mit der Kohlelobby lassen sie die zukunftsfähigen Energien und die Energiewende bekämpfen, denn Strom aus Wind und Sonne ist schon lange kostengünstiger als Strom aus neuen Atomkraftwerken.

In Frankreich wird gerade die Gefahrzeit für alte Atomkraftwerke auf 50 Jahre verlängert. In Deutschland kämpfen einflussreiche Lobbygruppen gegen die Abschaltung der letzten AKW und auch neue, wieder einmal 100% sichere Atomkraftwerke werden geschickt ins Gespräch gebracht.

Nur die Vor-Fukushima Durchsetzungsstrategien wurden geändert. Mit den makaber-erfolgreichen Strategien, mit denen die Gefahren des Rauchens und von Asbest heruntergespielt wurden, werden jetzt die Folgen des Reaktorunfalls verharmlost. Manipulativ genial war die Bestätigung des EINEN an Krebs gestorbenen Menschen durch die japanische Regierung, der seither durch die Weltpresse geistert. Es sind nicht so sehr die Betreiber-Konzerne der alten AKW, noch die neuen Atom-Start-Ups mit ihren unreifen Reaktor-Konzepten, die Laufzeitverlängerung und neue AKW fordern, sondern scheinbar unabhängige Bürgerinitiativen und Tarnorganisationen wie die Nuclear Pride Coalition. Die alte Gefahrtechnologie Atomkraft soll nach dem Willen der Strategen im Hintergrund mit dem Klimaschutz-Argument grüngewaschen werden. So wie die Verantwortlichen des bisher letzten Weltkrieges auf Wunderwaffen setzten, so setzen die Verantwortlichen im aktuellen, erneut verloren gehenden Krieg gegen Klima und Natur auf die Wunderwaffe Atomkraft.

Doch die Energy Watch Group hat vorgerechnet: "Um mit Atomenergie nur 10% der heutigen globalen CO2-Emissionen bis 2050 zu senken, müssten bis dahin 2184 neue Atomkraftwerke je 1 GW, neu gebaut werden, also jeden Monat etwa 8 gefährliche, teure, neue Atomkraftwerke ans Netz gehen."
Diese 2184 neuen AKW bräuchten Uran, sie würden die Zahl der schweren Atomunfälle vervielfachen und Atommüll produzieren, der eine Million Jahre strahlt und 33.000 Generationen gefährden. Der weltweite Neubau von 2184 AKW brächte immer mehr Länder in den mörderischen Besitz von Atomkraftwaffen und sie wären im Gegensatz zu Energie aus Wind und Sonne unbezahlbar teuer. Warum setzen machthungrige Länder auf eine gefährliche, teure Hochrisikotechnologie, wenn es kostengünstige, umweltfreundliche Alternativen gibt?

Wenn jetzt nach Fukushima "sonnenarme" Länder wie Saudi-Arabien, Jordanien, Türkei, Ägypten und die Vereinigten Arabischen Emirate teure AKW bauen wollen, dann geht es nicht in erster Linie um Energie oder Klimaschutz, denn Strom aus Wind und Sonne ist schon lange günstiger als Strom aus neuen Atomkraftwerken. Es geht um Proliferation, um zukünftige "Atomkraftwaffen" und Macht.

Jedes neue Land, das über Atomkraftwaffen verfügt, erhöht die Wahrscheinlichkeit eines Atomkrieges und des damit verbundenen atomaren Winters. So könnte die Atomkraft tatsächlich einen makabren Beitrag gegen den Klimawandel und zur globalen "Abkühlung" leisten. Der Neubau von AKW und der weltweite AKW-Export (nicht nur in Spannungsgebiete) sind ein globales Selbstmordprogramm.

Was haben wir aus der Reaktorkatastrophe von Fukushima gelernt? Mit den Unfällen von Harrisburg, Tschernobyl und Fukushima wurden wieder einmal die realen Gefahren dieser nicht menschengerechten Technologie aufgezeigt und der weltweite Ausstieg aus der gefährlichen und teuren Atomkraft eingeleitet. Und andererseits sind die alten atomaren Seilschaften mit geschickten neuen Durchsetzungsstrategien und atomarem Greenwash immer noch aktiv, um AKW-Gefahrzeitverlängerung und neue Atomanlagen durchzusetzen.

Der Kampf gegen Apokalypse-Blindheit und globale Zerstörungsprozesse, der große Streit für eine umweltfreundliche Technik und eine menschengerechte Zukunft steht auch 10 Jahre nach Fukushima noch ganz am Anfang.

Presseinfo: Büro Christoph Hoffmann, 02.03.2021

Bundesregierung dementiert Gerüchte um Wasserstoffzentrum in Fessenheim - FDP-Bundestagsabgeordneter Hoffmann: "Bedeutung von Wasserstofftechnologie für Umbau der Wirtschaft ist sehr groß."
Zu den von der Badischen Zeitung (vom 14.11.2020 "Forschung für Wasserstoff in Fessenheim" und vom 08.12.2020 "Wasserstoff als Chance für Fessenheim - Politiker werben für Standort am Oberrhein") kolportierten Äußerungen von CDU-Politikern über angebliche Pläne der Bundesregierung für eine Wasserstoff-Forschung und -Produktion in Fessenheim erklärt der südbadische Bundestagsabgeordnete Dr. Christoph Hoffmann (FDP):

In ihrer Antwort auf eine Kleine Anfrage der FDP-Fraktion zu angeblichen Standorterwägungen für die Erforschung und Produktion von Wasserstoff zugunsten des Standorts Fessenheim stellt die Bundesregierung klar, von solchen Überlegungen keine Kenntnis zu haben. Originalton des Staatssekretärs Andreas Feicht: "Konkrete Planungen zu einem Wasserstoffzentrum in der Region Fessenheim sind der Bundesregierung bislang nicht bekannt."

Die Bedeutung der Wasserstofftechnologie für den Umbau unserer Wirtschaft ist sehr groß. Es wäre schön, wenn eine Folgenutzung in Fessenheim diesem Zweck dienen könnte. Wichtig wäre zunächst, mit den französischen Freunden zu sprechen und sie dafür zu begeistern. Mit Äußerungen, die eher Wunsch als Wirklichkeit sind, wird man dieser wichtigen Sache nicht gerecht.

red/epd,  01.03.2021

Zehn Jahre nach der Reaktorkatastrophe im japanischen Fukushima wollen Atomkraftgegner am Sonntag auch am Kraftwerk Neckarwestheim demonstrieren. Deutschlandweit soll es Aktionen geben.

Heilbronn - Zehn Jahre nach der Reaktorkatastrophe im japanischen Fukushima erinnern Atomkraftgegner auch in Baden-Württemberg mit vielfältigen Aktivitäten an die Gefahren der Atomenergie-Nutzung. Neben größeren Demonstrationen am Samstag in Berlin und am Sonntag am Atomkraftwerk Neckarwestheim in Heilbronn gibt es in den kommenden Tagen in rund 20 deutschen Städten Mahnwachen, wie die Anti-Atom-Organisation „Ausgestrahlt“ am Montag mitteilte.

Wegen der Corona-Pandemie finden alle Kundgebungen unter besonderen Hygiene-Bedingungen statt. Zahlreiche örtliche Bürgerinitiativen verzichten ganz auf Versammlungen und beteiligen sich stattdessen an einer Großplakat-Aktion, die von „Ausgestrahlt“ und dem Umweltinstitut München organisiert wird. In 53 Städten hängen den Angaben zufolge riesige Plakatwände mit der Botschaft „Nie wieder! 10 Jahre Fukushima: Alle Atomkraftwerke abschalten!“

Seebeben führte zur Katastrophe in Japan

Zwar seien 2011 als direkte Folge der Fukushima-Katastrophe und der Massenproteste in Deutschland acht Reaktoren abgeschaltet worden, sagte „Ausgestrahlt“-Sprecher Jochen Stay. Doch sechs AKW seien auch zehn Jahre danach noch am Netz. Die Risiken in den alten Anlagen würden mit jedem Tag größer. Zudem werde weiter Atommüll produziert, von dem niemand wisse, wie er über Jahrtausende sicher gelagert werden kann. Deshalb müssten die Atomkraftwerke jetzt abgeschaltet werden und nicht erst Ende 2022.

Die Katastrophe in Japan begann am 11. März 2011 mit einem Seebeben und einem Tsunami. In drei Blöcken des AKW Fukushima Daiichi kam es zur Kernschmelze und somit zum Super-Gau, Explosionen in den Blöcken 1 bis 4 zerstörten unter anderem die Gebäudehüllen. Über Wochen zogen radioaktive Wolken von Fukushima über Japan und den Pazifik.

Bis zu 150.000 Einwohner mussten das Gebiet vorübergehend oder dauerhaft verlassen, Hunderttausende in landwirtschaftlichen Betrieben zurückgelassene Tiere verhungerten. Rund um das Kraftwerk gibt es bis heute eine 300 Quadratkilometer große Sperrzone.

25.02.2021, 09:01 Uhr | AFP

Die ältesten Atomkraftwerke in Frankreich dürfen weiter laufen. Die französische Atomaufsicht erlaubt das nun – wenn bestimmte Auflagen erfüllt werden.

Die Laufzeit der ältesten französischen Atomreaktoren kann unter Auflagen von 40 auf 50 Jahre verlängert werden. Das geht aus einer Stellungnahme der französischen Atomaufsicht ASN hervor, die am Donnerstag in Paris veröffentlicht wurde. Zur Bedingung machte die Behörde eine Reihe von Reparaturen an den 32 ältesten Atomreaktoren. So sollen Nuklearunfälle verhindert werden.

Von diesen Altreaktoren haben nach Angaben von Greenpeace bereits 13 das Höchstalter von 40 Jahren überschritten. Diese Altersgrenze hatte die mehrheitlich staatliche Betreibergesellschaft Électricité de France (EDF) ursprünglich vorgesehen. Die französische Regierung hatte den Weg für die Laufzeitverlängerung im April 2020 freigemacht. Frankreich bezieht rund 70 Prozent seines Stroms aus der Atomkraft, das ist der höchste Anteil weltweit.

Kraftwerke zum Teil seit den 70er-Jahren in Betrieb
Die Verlängerung betrifft unter anderen das Atomkraftwerk Bugey östlich von Lyon, das seit Ende der 70er-Jahre in Betrieb ist. Betroffen sind auch die Reaktoren in Dampierre südlich von Paris und Tricastin nördlich von Avignon, die seit Anfang der 80er-Jahre Strom produzieren.

Frankreich hatte sein ältestes Atomkraftwerk in Fessenheim am Oberrhein unweit von Freiburg im Breisgau im Juni des vergangenen Jahres endgültig abgeschaltet. Deutschland und die Schweiz hatten wegen zahlreicher Pannen jahrelang darauf gedrungen.

 

Pressemitteilung von:

Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

Nicolas Scherger

Wie kann aus dem Gebiet Fessenheim nach Schließung des Atomkraftwerkes eine Innovationsregion entstehen? Der trinationale Universitätsverbund Eucor – The European Campus und der „Upper Rhine Cluster for Sustainability Research“ (URCforSR) erarbeiten hierfür bis Ende des Jahres 2021 eine Machbarkeitsstudie mit konkreten Investitionsoptionen. Eine entsprechende Finanzierungsvereinbarung für die mit 800.000 Euro dotierte Studie haben der französische Staat, die Région Grand Est, die Bundesrepublik Deutschland, vertreten durch das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat sowie das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg unterzeichnet.

Die Studie steht in Einklang mit der am 1. Februar 2019 von den französischen und deutschen Partnern unterzeichneten Absichtserklärung zum Raumprojekt Fessenheim, die unter anderem darauf zielt, das Gebiet von Fessenheim zu einem Innovationsmodell für die Industrie und die Energiewende zu entwickeln.

„Die Machbarkeitsstudie fördert die Entwicklung von Ideen, die einen ganzheitlichen Ansatz verfolgen. Wir möchten den Standort Fessenheim sowie die umliegende Oberrheinregion zu einer CO2-neutralen Wirtschaftsregion entwickeln“, sagt Prof. Dr. Barbara Koch, Leiterin des Upper Rhine Cluster for Sustainability Research (URCforSR) und Professorin für Fernerkundung und Landschaftsinformationssysteme an der Universität Freiburg.

„Die Zukunft des Raums Fessenheim liegt in der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit“, betont Prof. Dr. Alain Dieterlen, Vizepräsident Valorisierung an der Université de Haute-Alsace und Vizepräsident von Eucor – The European Campus. „Ich freue mich, dass wir für unsere Studie gleichwertige finanzielle Unterstützung aus Frankreich und Deutschland erhalten. Unser gemeinsames Ziel ist es, das Gebiet am Oberrhein mit einer nachhaltigen Perspektive für Innovation und Beschäftigung attraktiv für Firmen zu machen.“

Die beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den Universitäten Freiburg, Haute-Alsace und Strasbourg sowie dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und dem Fraunhofer- Institut für Solare Energiesysteme (ISE) arbeiten für die Studie eng mit deutschen und französischen Industriepartnern zusammen. „Genau das ist ein großer Vorteil der Studie. Die intensive Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Wissenschaft steigert die Chancen, konkrete Investitionsmöglichkeiten für den Raum Fessenheim zu entwickeln und die Wettbewerbsfähigkeit der Region insgesamt zu erhöhen“, so Prof. Dr. Thomas Hirth, Vizepräsident für Innovation und Internationales des KIT und Vizepräsident von Eucor – The European Campus.

Für die Machbarkeitsstudie arbeiten vier deutsch-französische Kompetenzgruppen zusammen. Die drei Kompetenzgruppen zu den Bereichen „Grüne Batterien und Batterierecycling (Kreislaufwirtschaft)“, „intelligente Stromnetze“ – so genannte Smart Grids – und „Wasserstoff“ erarbeiten konkrete Pilotprojekte, die zukünftig im Raum Fessenheim angesiedelt werden können. Eine vierte Gruppe befasst sich mit den gesellschaftlichen, rechtlichen und ökologischen Herausforderungen, die mit diesen Pilotprojekten verbunden sind. Darauf aufbauend erarbeiten Eucor – The European Campus und URCforSR eine Roadmap für die Umsetzung und Finanzierung der Pilotprojekte.

Im Vertrag über die deutsch-französische Zusammenarbeit und Integration, dem so genannten Aachener Vertrag, haben sich Deutschland und Frankreich auf die gemeinsame Weiterentwicklung des Gebiets rund um das Atomkraftwerk Fessenheim an der deutsch-französischen Grenze nach dessen Stilllegung im Juni 2020 verständigt. Sie streben an, im Rahmen eines deutsch-französischen Wirtschafts- und Innovationsparks gemeinsam Projekte im Bereich der grenzüberschreitenden Mobilität, Energiewende sowie Innovation zu entwickeln.

Hintergrundinformationen zu Eucor – The European Campus:
Eucor – The European Campus ist ein trinationaler Verbund zwischen fünf Universitäten in der Oberrheinregion. Mitglieder sind die Universitäten Basel, Freiburg, Haute-Alsace, Strasbourg sowie das Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Gemeinsam bündeln die Universitäten Kompetenzen von 15.000 Forscherinnen und Forschern, 13.500 Promovierenden sowie 117.000 Studierenden.

Hintergrundinformationen zu URCforSR:
Am Upper Rhine Cluster for Sustainability Research (URCforSR), an dem neben den Eucor-Universitäten viele weitere Hochschul- und Forschungseinrichtungen der Allianz TriRhenaTech sowie Unternehmen aus der Oberrheinregion beteiligt sind, steht die Thematik „Governance nachhaltiger Transformation“ im Zentrum. Die grenzüberschreitende und interdisziplinäre Forschung soll durch weitreichenden Wissenstransfer der Gesellschaft zugutekommen.

Kontakte:

Prof. Dr. Barbara Koch
Direktorin des Upper Rhine Cluster for Sustainability Research
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Tel.: +49 (0)761/203-3694
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www.nachhaltigkeit-oberrhein.info

Prof. Dr. Alain Dieterlen
Vizepräsident Valorisierung an der Université de Haute-Alsace
Vizepräsident von Eucor – The European Campus
Tel.: +33 (0)3 89 33 76 65
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
www.uha.fr

Prof. Dr. Thomas Hirth
Vizepräsident Innovation und Internationales des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT)
Vizepräsident von Eucor – The European Campus
Tel.: +49 (0)721/608 41030
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
www.kit.edu

Prof. Dr. Christelle Roy
Beauftragte für Strategie und Entwicklung an der Université de Strasbourg
Tel.: +33 (0)3 68 85 70 85
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
www.unistra.fr


Weitere Informationen:

https://www.pr.uni-freiburg.de/pm/2020/entwicklung-einer-innovationsregion-im-raum-fessenheim

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